Wildcard-Round-Tipps

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Wildcard-Weekend steht an. Und wie könnte ich es mir da nehmen lassen, Tipps über den Ausgang der Duelle abzugeben?

Colts @ Bills

Buffalo-Quarterback Josh Allen habe ich in den ersten Spielen seiner Karriere als underwhelming in Erinnerung – diese Season hat der junge Mann aber über weite Strecken gezeigt, wie sehr er sich gesteigert hat. Allen ist sogar im Race um den Most Valueable Player der Liga. Insgesamt war es 2020 mehr die Offense als die Defense (ungewöhnlich unter Head Coach Sean McDermott), welche die Bills erfolgreich durch die Season getragen hat. Receiver Stephon Diggs hat hierfür ein großes Scherflein beigetragen.

Über die Colts kann ich nur sagen, was ich in der Analyse nach ihrem Spiel in Pittsburgh schon angedeutet habe: solides Team, gut gecoacht, aber nicht mit der letzten Klasse für den großen Wurf. Bei Indianapolis haben sich einige Defender prächtig entwickelt und sind zu Säulen des Teams geworden (LB Darius Leonard schon länger, CB Kenny Moore neuerdings auch). Mit Passgeber Philip Rivers liegt die „Macht“ dafür, wie weit es für die Franchise heuer gehen kann aber bei jemandem, dem ich es schlicht nicht zutraue, die Chiefs oder die Ravens auswärts zu eliminieren, falls dies notwendig wird.

Man kann einen Case dafür machen, dass die Bills aktuell noch vor den Ravens oder Packers das heißeste Team der NFL sind. Dass keiner momentan gegen sie spielen wollen sollte, werden sie im Heimspiel gegen Indy bestätigten. Klarer Statement-Win für das AFC-East-Team.

34:16 Bills

Rams @ Seahawks

Bezüglich der Seahawks ist der Ruf nach „Russell Wilson for MVP“ ein bisschen verklungen. Einerseits weil der Quarterback nach einem für ihn persönlich elektrisierenden Start abgebaut hat. Andererseits weil dies exakt so passiert ist, da seine Defense mehr zum Erfolg beigetragen und er Spiele nicht mehr allein mit seinem Arm gewinnen musste. Seattle hat 12 von 16 Spiele gewonnen und bringt genügend Stärken mit, um von mir – wie jedes Jahr – als eines der besten NFC-Teams wahrgenommen zu werden. Auch ein Superbowl-Einzug würde mich nicht überraschen. Gerade auch weil der Pass Rush ab Saisonmitte stärker geworden ist und man in DK Metcalf eine Maschine auf Receiver aufbieten kann.

Auf Seiten der Rams ist Spielführer und Leader Jared Goff am Daumen der Wurfhand verletzt, sein Einsatz in Seattle ist fraglich. Denkbar schlechter Zeitpunkt für die Kalifornier, den Einser-QB nicht in Topform oder überhaupt mit dabei zu haben. In Week 17 ist mit Ersatz-Quarterback John Wolford ein Sieg gegen Arizona gelungen, aber die Aufgabe im Pacific Nothwest wird schwieriger als das werden. Die Front Seven der Rams hat die Fähigkeit, regelmäßig für Pressures und Sacks zu sorgen, was dem Team teils sehr geholfen hat in dieser Spielzeit. In Seattle wird’s – auch mit einem Goff am Roster – einen glücklichen Spielverlauf brauchen, will man den Upset schaffen.

Die Gastgeber sind der Favorit, wobei ich nicht mit einem Shootout oder einem allzu klaren Seattle-Sieg rechne. Dafür ist die L.A.-Defense zu stark und kennt den alten Division-Rivalen auch zu gut. Dennoch rechne ich mit dem Heimsieg:

23:17 Seahawks

Buccaneers @ Washington

Die Geschichte von Washingtons Playoff-Platz ist eigentlich hinreichend erzählt: Sehr schwache NFC-East-Division 2020/21, die einer halt gewinnen musste. Washington hat das Rennen mit einem 7-9-Record gemacht. Gelungen ist einem Team, dem so gut wie niemand groß was zugetraut hat vor der Season, diese Leistung unter der kundigen Führung von HC Ron Rivera, der dereinst in Carolina schon mit ehrlicher Arbeit viel erreicht hat. Das Team verlässt sich, um in Spielen zu bleiben, auf seine dominante Defensive Line, die mit Draft-Firstroundern bestückt ist und für mächtig Dampf auf die Offense des Gegners sorgen kann. Muss es die Offense für Washington richten, könnte es düster werden. QB Alex Smith (mit Sensationscomeback nach horribler Verletzung) und das Laufspiel sind brav, Receiver McLaurin richtig gut – aber die echte Schlagkraft fehlt dieser Unit.

It’s Super Bowl or bust in Tampa. Das von Coach Bruce Arians gecoachte Star-Ensemble rund um QB Tom Brady hat in der NFC South die Division-Krone verpasst, kann aber in der US-Hauptstadt nur als Heavy Favourite im Duell mit Washington angesehen werden. In Erinnerung geblieben sind mir von Tampa in der Regular Season überzeugende Spiele und Spielhälften, auf die aber immer wieder auch krachende wie teilweise überraschende Pleiten gefolgt sind. Inkonstanz war das Thema. Wer ein Team, das neben Brady on Offense aber auch TE Rob Gronkowski, WR Mike Evans oder WR Antonio Brown rostert (und das sind noch gar nicht alle Waffen), aber nicht am Zettel hat, wäre töricht. Auch die Defense der Buccaneers ist am Papier wirklich gut besetzt, sollte aber darauf achten, Washington nicht zu lange in Schlagdistanz vom Scoring her verharren zu lassen.

Die Bucs werden, obwohl Trainerfuchs Ron Rivera einen feinen Plan parat haben wird, in der Hauptstadt ihrer Rolle als höher eingeschätztes Team gerecht werden.

28:21 Buccaneers

Ravens @ Titans

Hm, die Titans sind wohl nicht die Traumaufgabe Baltimores für die erste Runde in den Playoffs, haben sie doch die Ravens letztes Jahr aus der Postseason rausgekegelt und auch in der 2020er Regular Season gegen diesen Gegner gewonnen. Das Ganze jeweils hinter Galavorstellungen von Running Back Derrick Henry. Beide Teams gehen mit demselben Record ins Aufeinandertreffen, für mich ist Tennessee aber Außenseiter. Das Plus von Henry als X-Faktor ist nicht geringzuschätzen – und neben ihm halte ich viel von QB Ryan Tannehill als Gamemanager, der nicht viele Fehler macht, und von der Big-Play-Ability von Passempfänger A.J. Brown. Allerdings ist die Defense shaky und kassiert zu viele Touchdowns. Sie braucht frühe Führungen des Teams und kluges Zeitmanagement, um nicht exponiert zu werden.

Und genau da werden Ravens ansetzen. Baltimores Niederlagen gegen die Titans rührten die letzten beide Male daher, dass man nach frühem Rückstand die eigenen Stärken on Offense (= Laufspiel und Zeitmanagement) zu früh vernachlässigen musste. Und QB Lamar Jackson als Heiland im Catch-Up-Modus bei Rückstand ist einfach keine Erfolgsformel. Baltimore fliegt in Topform und mit fünf Siegen en suite (nach dem Skandalspiel in Pittsburgh) nach Nashville. Die Defense schob bei diesen fünf Siegen meist eine ruhige Kugel, wurde jedoch einmal von Cleveland derb exponiert. Auf dieses Filmmaterial werden auch die Titans geblickt haben. Rein personaltechnisch haben die Ravens in der Verteidigung genügend Klasse aufzubieten, um Derrick Henry mit vereinten Kräften beikommen zu können. Drauf anlegen müssen sie’s, weil das schlichtweg der Schlüssel zum Erfolg sein wird, den Über-Läufer im Zaum zu halten.

Schafft es Baltimore, das Spiel nicht in die Hände von Jackson und von einem eher dürftigen Receiver-Corps zu legen, ist für die Gäste schon viel gewonnen. Einfach weil das Missmatch variable Ravens-Lauf-Offense gegen unterdurchschnittliche Tennessee-D zu eklatant ist.

31:21 Ravens

Bears @ Saints

Jahrelang sind die Saints von den Ausnahmeleistungen von QB Drew Brees und seinem Wurfarm getragen worden, diese Season war das ein Stück weit anders – und das ist gut für New Orleans. Man ist ausgeglichener unterwegs. Die Defense der “Heiligen” offenbart keine Schwächen und kann sowohl für Druck über die Front Seven als auch für Turnover (über eine gut besetzte Secondary) sorgen. Running Back und Touchdown-Maschine Alvin Kamara absolviert eine prächtige Saison und hat um Weihnachten gegen die Vikings 6 Scores in einem Spiel markiert. Eine ausgeglichene Offense konnte es auch verschmerzen, dass DER Topreceiver des Teams der letzten Jahre, Michael Thomas, verletzungs- und disziplinbedingt in dieser Spielzeit bisher ein Totalausfall war. Den Saints ist 20/21 zuzutrauen, dass sie mit diesem Kader einen zweiten Super-Bowl-Ring für Drew Brees holen und die Karriere dieses Ausnahmesportlers komplett machen.

Kaum jemand hingegen wird den Chicago Bears im Big Easy den großen Wurf zutrauen. Allzu viele Daten über die Bears habe ich aus dem Stehgreif gar nicht zur Hand, weil ich ihre Spiele zu wenig verfolgt habt. Zu unansehnlich und unattraktiv war und ist mir der Stil der Bären gewesen. Was man der Truppe von HC Matt Nagy und Nagy selbst zugute halten muss, ist, dass man sich als Stehaufmännchen nicht unterkriegen hat lassen. Die Bears sind mit 5-1-Record gestartet, sind danach mit einer Niederlagen-Serie quasi implodiert, sind öffentlich abgewatscht worden. Schlussendlich hat Chicago aber einigermaßen in die Spur gefunden und aufgrund schwächelnder Vikings wie Cardinals beim letzten NFC-Playoff-Spot zugegriffen. Kontinuität auf der Quarterback-Position gibt’s keine: Von Mitch Trubisky wurde auf Nick Foles gewechselt, beide boten mäßige Leistungen. Das führte dazu, dass aktuell wieder Trubisky den Passgeber markieren darf. Die Defense ist in Ordnung, die Offense hat einige ganz nette Waffen. Aber Trubisky könnte das Spiel seines Lebens brauchen, um die Saints bis zum Äußersten fordern zu können.

Läuft das Spiel der Papierform nach ab, gewinnen die Gastgeber deutlich. Es spielt das vielleicht beste NFC-Team gegen den großen Playoff-Underdog dieser Division. Die Bears haben in Week 17 zuletzt schon deutlich gegen die Packers verloren, im tiefen Süden wird’s ihnen ähnlich ergehen.

37:21 Saints

Browns @ Steelers

—> dazu morgen mehr

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