Vor Week 16: Bekenntnis eines Interessensabfalls

Vor Week 16: Bekenntnis eines Interessensabfalls
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Einige Stunden vor dem Week-16-Game der Pittsburgh Steelers zu Hause gegen ein solides Colts-Team komme ich noch dazu, aktuelle Gedanken kurz in einem Artikel zu verschriftlichen.

Allerdings beginne ich heute mit einem Geständnis: Seit einigen Wochen haben sich kleine Faktoren schleichend auf mein Interesse an den Steelers niedergeschlagen, die verursacht haben, dass ich der Mannschaft aktuell nicht mehr mit vollem Herzen folge.

Begonnen hat das mit der Niederlage gegen Washington vor drei Wochen – und ich komme mir in der Selbstanalyse dessen ein bisschen schäbig vor, wenn ich als Fan bei der ersten Niederlage eines bis dahin 11-0-Teams gleich Interessensverlust vernehme bei mir selbst.

Zu viel läuft falsch

Aber ich sehe es als gegeben an, dass die Steelers schon vor dem Washington-Match kein funktionierendes Team mehr waren, aufgrund der Umstände und schwachen Gegner einige Spiele gewonnen haben. Und ich sehe es als gegeben an, dass die Steelers in dieser Season – von Week 1 bis inklusive Week 15 – zu viele Phase dargeboten haben, in denen von ihnen einfach kein guter Football zu sehen war.

Football und die Leidenschaft, seinem Lieblingsteam bedingungslos zu folgen, müssen immer auch einen guten Unterhaltungsfaktor mitbringen, damit man mit dem Herzen dabeibleibt.

Man wird zynisch

Um es radikaler auszudrücken: In den letzten Wochen – und beim Bengals-Match hat dies eine neue Dimension erreicht – habe ich mich erwischt, die alten Unzulänglichkeiten im Spiel der Steelers (die ein Game derzeit fast nicht mehr watchable machen) mit einer gewissen Gehässigkeit und mit immer mehr Gleichmut hinzunehmen.

Denn denken wir zurück an Cincinnati (eine Niederlage, die ich vor dem Spiel, trotz der Schwächen der Steelers für undenkbar hielt) und reflektieren wir das Gesehene:

  • Defense mit Herz im Spiel, aber überfordert, weil sie aufgrund der Offense zu oft am Feld steht und Short Fields verteidigen muss.
  • Eine Offense, geführt von einem indiskutablen Coordinator (der halt mit Big Ben verhabert ist als einzige “Qualifikation”), die ohne Finesse und Resilienz agiert.
  • Fahrlässige Interceptions von einem QB, der sich dem Niveau der Offense anpasst; dazu Fumbles und Unmengen von Drops.
  • Ein nicht existentes Laufspiel über Running Backs, denen die Klasse fehlt hinter einer O-Line, die für keinerlei Push Sorgen kann – Power Running Game und Short Yardage Rushing sind nicht möglich.
  • Miserables Playcalling, das ausrechenbar ist und immer wieder Plays aufruft, die davor im Spiel schon überhaupt nicht funktioniert haben.

Dieses Gruselkabinett einer Kurzanalyse hat sich jetzt einfach zu oft wiederholt, dass es mich emotional aktuell auf Distanz zu den Steelers hat gehen lassen.

Ich bin, wenn ich Football schaue, meist sehr intensiv und leidenschaftlich im Thema. Und gerade deshalb tut es mir dann umso mehr weh, wenn sich das Verfolgen des Ablaufs eines Spiels meiner Mannschaft als drei Stunden Zeitverschwendung entpuppt.

Da ist es dann Selbstschutz, sich aus dem Thema temporär ein bisschen rauszunehmen, um ein bisschen Abstand hinzukriegen.

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Ausblick

That all said: Mit den Playoffs werde ich voller Leidenschaft – und auch mit einer großen Portion Hoffnung – wieder auf die Steelers blicken. In der Regular Season aber scheint einfach zu viel beschädigt im Spiel von Black and Gold, als dass man die Spiele akribisch verfolgen müsste.

Der Playoff-Spot ist gesichert, es gibt eine Menge Arbeit, weil so viel nicht funktioniert im Moment – und die spannende Frage ist für Fans einzig und allein: Kann der Coaching Staff die Mannschaft so herrichten, dass aus einem Bottom-5-NFL-Team (Jetzt-Stand) noch einaml ein Contender werden könnte?

Heute geht’s gegen die Colts, eine gute Mannschaft, aber bei Gott keine Übertruppe. Mit zumindest normaler Steelers-Form wären sie zu Hause Favorit gegen diesen Gegner, im Moment ist diese Normal-Form aber nicht da.

Dennoch rechne ich mit Besserung, weil es einfach nicht mehr schlimmer kommen kann, als die Leistung in Cincinnati war (und weil irgendwann eine Art Reaktion auf den Fall ins Bodenlose kommen sollte). Es wird eher knapp hergehen und die Steelers könnten das heute sogar gewinnen. Was auch immer das dann wert wäre.

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