Totale Leere nach Baltimore-Pleite

Totale Leere nach Baltimore-Pleite
Copyright Brook-Ward

Steelers verlieren zuhause gegen die Ravens 23:26 nach Overtime.

Ich fühle mich leer nach dem Spiel gestern. So mühsam war es noch nie, sich auf eine Review zu konzentrieren, der Wille war nie geringer, seit ich das Bloggen begonnen habe.

Pittsburgh hat nach einer Leistung mit dem Maximalmaß an Herz und Einstellung, das man wohl an den Tag legen kann, eine herzzerreißende – wie in meinen Augen auch unverdiente – Heimpleite gegen die Baltimore Ravens erlitten.

Um ehrlich zu sein: Ich muss schauen, wie und in welcher Form ich nun weitermache. Das soll nicht heißen, dass ich davonlaufe, weil’s nicht läuft, denn so wird es nicht sein. Aber es tut einfach weh, sich freudvoll zu einer Sache zu committen, wenn dann nichts als Pein dabei rauskommt.

Eine 3:45-Abfuhr schmerzt nicht annähernd so wie die Art der Niederlagen, die die Steelers in San Francisco und vor allem gegen Baltimore kassiert haben. Und diese Heartbreaker erschüttern mich gerade so, dass ich entweder den Steelers-Content zurückfahre (aus Selbstschutz) oder mehr über andere NFL-Schwerpunkte schreiben werde. Oder mir sonst was überlegen möchte.

Ich habe mir eine Menge Notizen zum Spiel gemacht, will’s jetzt aber eigentlich kurz halten, also gehen wir’s an:

Als alles gut zu werden schien …

Die Steelers haben eine Partie verlieren, weil JuJu Smith-Schuster in der Overtime gefumbelt und den Ravens drei leichte Punkte zum Sieg geschenkt hat. Bis dahin hat alles wie gemalt ausgesehen:

Pittsburgh war auch nach Verlust von QB Mason Rudolph (Gehirnerschütterung) nicht kleinzukriegen, Ersatzmann Devlin Hodges (also der Ersatz vom Ersatz, weil Ben Roethlisberger ja auch nur noch zuschauen kann) machte seine Sache sehr gut, die Defense spielte auf einem überzeugenden Level und in der Overtime zwang man Baltimore zu einem Punt und hätte mit einem eigenen Field Goal gewinnen können.

Einzig: Es wollte wieder einmal nicht sein.

Baltimores Offense entschärft

Lamar Jackson hat mich am Beginn brutal genervt, als er es immer wieder gerade um den einen Schritt schaffte, Sacks zu entkommen und wegzulaufen. Klar, eine Qualität. Konnte ich aber zu dem Zeitpunkt nicht honorieren (und kann es jetzt immer noch nicht).

Mit Fortdauer der Partie gelang es Pittsburgh aber ohnehin, Jackson und quasi Baltimores ganze Offense aus dem Spiel zu nehmen. Jackson produzierte einige leichtfertige Turnover, sonst fand er nicht mehr statt.

Die Steelers begannen das Spiel mit naiven, aus der Endzone rausgelaufenen Kickoff-Returns (die sofort gestoppt wurden und schlechte Feldposition einbrachten) oder dummen Strafen. Oder mit beiden Dingen zur gleichen Zeit. Das – und eine katastrophale Interception von Jaylen Samuels aus der Wildcat heraus – ließ die Steelers den Ravens am Beginn zehn leichte Punkte schenken. Punkte, um die es am Ende dann u.a. genau nicht reichen sollte.

Die Steelers entschlossen sich zur Teilnahme am Spiel, als sie bereits 0:10 zurücklagen – legten dann aber einen furiosen TD-Drive hin, der die Initialzündung war für eine Teamleistung, an der ich sonst sehr wenig aussetzen kann. JuJu Smith-Schuster ließ bei besagtem Drive CB Marlon Humphrey stehen und trug den Ball nach Rudolph-Pass zum Anschluss-Score in die Endzone.

Leider sollte Smith-Schuster nur vorübergehend Sieger gegen Humphrey bleiben, Stichwort Fumble, Stichwort absoluter Neckbreaker.

Rudolph muss ersetzt werden

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt, einiges davon habe ich ohnehin schon angerissen:

Die Ravens nahmen Mason Rudolph durch einen Hit gegen den Kopf aus dem Spiel, Ersatzmann Devlin Hodges hielt die Steelers auf Siegkurs, obwohl die Big Plays ausblieben. Diese blieben aber auch bei Baltimore aus, weil der Rush der Steelers (fünf Sacks) immer wieder Sieger gegen die O-Line Baltimores war und Lamar Jackson über mehrere Viertel keine Gefahr ausstrahlte.

Scores wurden vor allem durch die beiden Kicker Chris Boswell und Justin Tucker erzielt. Boswell legte gegen Ende mit einem Field Goal zum 23:20 vor – Steeler Nation fieberte mit nur noch gut zwei Minuten auf der Uhr dem Sieg entgegen. Der Antwort-Drive der Ravens schickte sich erst nicht gut an, wurde aber durch eine merkwürdig-absurde Roughing-Strafe gegen Ola Adeniyi am Leben gehalten, so dass Tucker später mit 10 Sekunden auf der Uhr den Ausgleich markieren konnte.

Hadern mit dem Schicksal

In der Overtime gambelten die Steelers und ließen Baltimores Offense zuerst aufs Feld, diese wirkte verloren und ging blitzschnell Three and Out. Und als selbst ich voller Freude war, Devlin Hodges einen schönen Pass auf Smith-Schuster anbrachte und alles sich zum Guten zu wenden schien, …

… da, ja da schlug das Schicksal (das, wie bekannt ist, ein mieser Verräter ist) unbarmherzig zu. Der Football-Gott geht, das zeigt er immer wieder, gerne in New England oder Baltimore spazieren. Ein Jersey in Black and Gold hat er im Gegensatz dazu schon verdammt lange nicht mehr getragen.


Steeler of the Week

Devlin Hodges

Klar, 68 Passing Yards und 20 Rush Yard sind keine Quarterback-Zahlen, die auf den ersten Blick auch nur irgendjemanden begeistern. Dennoch stand Hodges gestern sinnbildlich für das, was gut war am Spiel der Steelers – und das war nicht wenig.

Der junge Mann wurde aufgrund des heftigen Hits, der Mason Rudolph aus dem Spiel nahm, unverhofft zur letzten Hoffnung der Steelers, um einen heroischen Upset-Win gegen den großen Langzeitkonkurrenten ins Trockene zu bringen.

Und Hodges trug seinen Teil bei. Er agierte ruhig under Pressure, traf vernünftige Entscheidungen, machte die Plays, die ihm die Defense der Ravens gab, wurde aber nicht zu konservativ in seinem Tun. Alles war in der Overtime aufbereitet, dass Hodges zu einem der großen Helden hätte avancieren können. Dann kam der Fumble.


Wo die Steelers diese Woche ansetzen müssen:

Die Steelers sind psychisch nach dieser Niederlage sicher am Boden. Das beziehe ich nicht auf die Verletzung von Rudolph, sondern rein auf den Umstand, dass sie nach einer solchen Leistung dennoch auf 1-4 rasseln.

Es wird wohl ein Weilchen brauchen, um das alles ehrlich und schonungslos einordnen zu können. Danach muss man – obwohl Coach Tomlin und sein Staff das Team offenkundig noch sehr gut erreichen – feststellen: Viele Teams sind halt von einem 1-4-Record mit dem zweiten oder dritten Quarterback noch nicht straight in die Playoffs marschiert. Ein Jahr des Übergangs scheint unabwendbar, wenn sich das Spielglück schon nicht einstellen möchte.

Noch einige andere Punkte, die mir aufgefallen sind:

  • Im 1. Quarter sind die Steelers wieder und wieder über ihre alte Schwäche gestolpert, Tight Ends nicht covern zu können. Mark Andrews kam zu oft zu leicht zu Completions über die Mitte.

  • Das Getue mit der Wildcat ist bitte schleunigst einzustellen, weil es nicht substanziell ist. Baltimore war vorbereitet, über Wildcat-Snaps ist nichts gegangen. Und wenn ich bei 2nd and 1 in die Wildcat gehe, fünf Yards verliere und dann 3rd and 6 stehe, agiere ich einfach nicht smart.

  • Wo ist das Power Running? Ich vermisse Chunks im Run Game der Steelers, so dass mal ein, zwei Runs über 10, 12, 15 Yards hintereinander dabei sind. Ich habe das Gefühl, den Backs und der Line geht es bisweilen irrsinnig schwer von der Hand.

  • Da spielt mit, dass Guard Ramon Foster nicht in Form zu sein scheint. Foster hat gestern wieder einen Sack verschuldet, später hatte er auch eine Holding-Strafe mit dabei.

  • Und: Corner Joe Haden neigt dazu, zu viele leichte 7- oder 8-Yard-Catches herzugeben, weil er zu viel Space gibt, um vom Receiver nicht deep überlaufen zu werden. Ein 8-Yard-Catch ist aber fast gleichbedeutend mit einem nahenden First Down. Haden muss konsequenter agieren in Man Coverage.

 

photo credit: Brook-Ward <a href=”http://www.flickr.com/photos/57915000@N02/28834717913″>Intensity</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/”>(license)</a>

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