Super Bowl it is! Die Preview und der (zweifelhafte) Tipp

Super Bowl it is! Die Preview und der (zweifelhafte) Tipp
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Zwei Wochen war’s jetzt sehr ruhig, aber auf den Super Bowl muss ich natürlich schon ein Auge werfen. Mir ist klar, dass ich eine große Steelers-Saisonabschluss-und-Ausblick-Story versprochen habe – heute kann’s jedoch nur um das Big Game gehen.

Respekt an dieser Stelle vor den Leistungen der Buccaneers und der Chiefs, die – vor allem auch nach runden Leistungen in den Playoffs – verdient im Endspiel stehen.

Erfolgsfaktor Greatest of all time

Es mag abgedroschen sein, gleich mit dem „Most obvious“ zu beginnen (und ich mag das an sich auch nicht sehr, wenn Analysen zu sehr auf die Stars zugeschnitten sind), aber der Durchmarsch Tampas in den Super Bowl und die 2020er-Wandlung der Franchise von einem Loser-Team in einen Bringer hat natürlich mit Quarterback Tom Brady zu tun.

Das „Ageless wonder“, Brady (43) geht ja stramm auf Mitte 40 zu, hat die Frage zu seinen Gunsten beantworten können, ob nach der Scheidung von seinem Ex-Team Patriots eher das Team aus New England oder er würden schnellen Erfolg ohneeinander finden können.

Während die Patriots in der AFC mit Neo-Passgeber Cam Newton durchsackten und erstmals seit 2008 die Playoffs verpassten, erspielten die von Brady geführten Bucs erstmals seit den Nuller-Jahren genügend Siege, um sich für die Postseason zu qualifizieren.

Tampa-Head-Coach Bruce Arians wirkte auf mich in dieser Season eher wie ein Vermittler und Ermöglicher, der Brady personell alle Wünsche erfüllen wollte und voll auf die Karte Star-Quarterback setzte. So oft in der NFL-Historie ist dieses Zusammenstellen eines Dream-Teams mit dem Zusammenkaufen „fertiger“, etablierter Stars gescheitert – aber bei den Buccaneers heuer war’s der Weg zum Erfolg.

Starensemble harmoniert

Arians und Bucs-General-Manager Jason Licht gingen ‚all in‘ und ergänzten einen Kader, der schon einige Star-Bausteine aufwies (u.a. WR Mike Evans, LB Lavonte David, DE Jason Pierre Paul) mit weiteren großen Namen. Auf Tight End wurde Brady-Buddy Rob Gronkowski aus der Pension zurückgeholt, auf Running Back kamen mit Leonard Fournette und LeSean McCoy (der aber wenig spielte) ebenfalls Persönlichkeiten, die NFL-Fans ein Begriff sind. Sogar Skandal-Profi WR Antonio Brown durfte in Florida anheuern. Weil Brady ihn eben in seinem Team haben wollte.

Man kann Tom Brady und sein Umfeld, das er sich schafft, mögen oder ablehnen. Man muss den steten Erfolg, den er in seiner glanzvollen Karriere hatte und hat, aber respektieren können. Wenn jemand seinen siebenten Super-Bowl-Ring holen könnte, muss es Gründe haben, warum dieser Spieler so erfolgreich sein konnte.

Vielleicht unterschätze ich die Rolle von Arians, aber ich denke, dass Brady gerade nach dem enttäuschenden Ende in New England wirklich zeigen wollte, dass er auch in einem neuen Umfeld einen Super-Bowl-Run reproduzieren kann. Und hierfür nimmt er sicherlich seine Mitspieler in die Pflicht, stellt humorlos sehr hohe Ansprüche und bringt selbst höchsten Arbeitsethos in den Prozess mit ein. Wie es mit Brady nach diesem Super Bowl wirklich weitergehen wird, ob er nach einem möglichen Triumph aufhören wird: Wer weiß das schon?

Rezept gegen den nächsten Über-Quarterback finden

Tatsache ist aber, dass die Buccaneers Waffen und Stärken mit einbringen können bei ihrer „Heim-“ Super Bowl (die zumindest in ihrem Stadion ausgespielt wird), die den Gegner Chiefs gefährden können.

Tampa wird versuchen, Kansas City über seine Nummer-1-Run-Defense eindimensional zu machen und Chiefs-Starter Patrick Mahomes dann mit Nickel- und Dime-Packages möglichst nicht zu Huge Gains oder Chunk-Yardage-(Touchdown-)Plays kommen zu lassen.

Schwer genug, das zu realisieren, wurde Tampa doch im Regular-Season-Duell gegen die Chiefs (das verloren ging) von WR Tyreek Hill komplett vorgeführt. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Brady-Arians-Combo zusammen mit dem durchaus fähigen Defensive Coordinator Todd Bowles Hills Career Day nicht im Ansatz noch einmal so geschehen lassen wird.


Gnadenlos-gute Offense

Für AFC-Champion Kansas City Chiefs ist es heute in Tampa die Gelegenheit zum Repeat. Eine Titelverteidigung ist zuletzt den New England Patriots im Jahr 2005 geglückt. Dass der neuerliche Einzug in den Super Bowl kein Zufall ist, ist jedem entfernt NFL-Kundigen bewusst, die Chiefs haben sich in den letzten zwei bis drei Jahren zur neuen Macht in der Conference emporgespielt und die Patriots beerbt.

Der Erfolgsrun in Missouri hat zwei primäre Väter. Das sind Head Coach Andy Reid und Quarterback Patrick Mahomes, ein Talent auf seiner Position, wie es nur alle 15-20 Jahre hervorgebracht wird (und vielleicht seit Brady nicht mehr mit dieser Leichtigkeit da war). Mahomes könnte mit einem Win heute der erste Starting Quarterback werden, der mit dem Alter von 25 oder jünger bereits zweimal die Vince-Lombardi-Trophy in die Höhe stemmen darf. Eine historische Leistung, die ihn instantly in einen Kreis der ganz Großen dieser Sportart bugsieren würde. Unfassbar eigentlich bei einem Mann, der seine alterstechnischen Primes noch vor sich haben könnte.

Reid und der tragische plötzliche Zwischenfall

Andy Reid hat, natürlich in den letzten Jahren unterstützt vom massiven Talent Mahomes‘, die Chiefs-Franchise einfach immer besser und besser gemacht, seit er aus Philadelphia in die Midwests gekommen ist. Reid ist für mich auch der bessere Coach als Bruce Arians, was den Chiefs heute Nacht zum Vorteil gereichen könnte. Der 62-Jährige hat in seinem Coaching Tree über die Jahre eine Fülle an fähigen Trainern auf ihre Talente aufmerksam machen lassen: So einige davon haben bei anderen NFL-Teams dann (als Head Coaches) beachtliche Erfolge gefeiert. Das zeugt von Menschenkenntnis und Menschenführung.

Reid ist – und das ist besonders wesentlich – ein wahnwitzig kreativer Offensiv-Kopf, der durch Innovationsgeist und das nötige Talent, das er bei den Spielern zusammengesammelt hat, schlicht die gefährlichste Offense der letzten NFL-Jahren kreiert hat. Vor zwei Tagen war Reids Sohn Britt Reid, ebenfalls ein Chiefs-Betreuer, allerdings in einen schweren Verkehrsunfall involviert. Junge Kinder wurden dabei teils schwer verletzt und mussten in Spital gebracht werden. Solch ein Incident im Umfeld ist Gift in der Vorbereitung auf ein solch wichtiges Spiel und wird Wellen geschlagen haben bei den Chiefs.

Corona-Entwarnung

Rein sportlich mussten sich die „Häuptlinge“ mit zwei Spielern beschäftigen, die wegen eines infizierten Kontakts auf die COVID-Liste gesetzt wurden. Center Daniel Kilgore und WR Demarcus Robinson waren betroffen. Beide haben aber danach genügend negative Corona-Tests abgegeben und werden mitwirken dürfen. Auch der immer wieder verletzt gewesene WR Sammy Watkins soll nach Wadenblessur fit sein – wie übrigens auch Antonio Brown auf Seiten der Gegner.

In ihrer Sicht auf die Dinge werden die Chiefs natürlich darauf vertrauen, dass sie Patrick Mahomes in ihren Reihen haben. Er ist ein Unterschied-Spieler, der das Team in fast jedes Spiel zurückbringen kann, auch wenn der Beginn mal wirklich daneben gehen sollte.

Die Achse Mahomes-Kelce (und dazu Tyreek Hill)

Mahomes ging etwas angeschlagen ins Conference Final vor zwei Wochen gegen die Bills – und spielte überragend. Tampa wird einen effektiven Plan aus gutgetimten Blitzen und massierter Coverage brauchen, um Mahomes‘ Wirkungskreis stark genug einschränken zu können (falls dies überhaupt möglich ist).

Und auch TE Travis Kelce sollte ich mal explizit hervorheben, der eine historisch gute Saison gespielt und Receiving Nummern wie ein Wide Receiver absoluter Elite-Klasse vorweisen kann. Kelce sollte gegen sehr gute Linebacker auf Seiten der Buccaneers aber ordentlich zu tun haben – ein Matchup Strength gegen Strength. Tyreek Hills Befähigung, ein Spiel zu prägen, habe ich ja oben schon angedeutet.


Der Tipp

Ich habe in der 2020er-Postseason zweimal gegen die Tampa Bay Buccaneers getippt und bin zweimal eingefahren damit. Über die Tippqualität meinerseits sollte man generell am besten den Mantel des Schweigens hüllen.

Für heute beschleicht mich seit einigen Tagen das Gefühl, dass der Plan Tampas – vielleicht über gutes Time Management und eventuell das eine oder andere timely Turnover der fähigen Defense – reichen könnte für den Sieg.

Ich habe keinen genauen Spielverlauf im Kopf, den ich erwarten würde, glaube aber, dass Brady – der vor zwei Wochen in Green Bay in Hälfte 1 überragend gespielt hat – genug zwingende Plays abrufen wird, um zu seinem siebenten Ring zu kommen.

37:35 der Buccaneers über die Chiefs

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