Steelers stunnen Rivers und die Chargers

Steelers stunnen Rivers und die Chargers
Copyright Brook-Ward

Pittsburgh gewinnt in Los Angeles verdient mit 24:17.

Überraschende Siege sind meist die schönsten. So richtig vorstellen konnte ich es mir nicht, dass die Steelers bei den Chargers einmarschieren und mit dem dritten Quarterback einen Sieg aus L.A. entführen. Credit und Respekt an das Team und die Coaches, dass es dennoch so passiert ist.

Ich bin gestern – Schande über mein Haupt – leider nicht dazu gekommen, die Analyse gleich am Tag nach dem Steelers-Game zu posten, obwohl ich das immer gerne so handhabe. Man möge es mir verzeihen. Gehen wir’s heute in guter, alter Aufzählungs-Erzählweise (ganz wie in der Preseason) an:

  • Ein Backward-Pass von Philip Rivers tief in der Chargers-Hälfte zog das Spiel früh in die Richtung der Steelers. Die Aktion wurde als Fumble gewertet, weil nach hinten gespielt wurde – Devin Bush überriss dies am schnellsten und scorte per Defensive Touchdown die ersten sechs Punkte.

  • Bush prolongierte seine überragende Anfangsphase mit einer Interception nur eine Handvoll Plays später. Der First-Round-Rookie out of Michigan scheint für die Steelers genau dort angekommen zu sein, wo man es ersehnt hat: Als playmaking Force in der Mitte. Klar, später waren auch einige unsaubere Phasen in Bushs Spiel dabei (Taunting-Strafe, Missed Tackles). Aber spielt er auf Inside Linebacker so weiter, können die Starter nur Bush und Vince Williams heißen. Mark Barron wird, wenn wieder fit, oft die Bank drücken müssen.

  • Nutznießer nach der Bush-Interception des Rivers-Passes war RB James Conner, der in der folgenden Offense-Serie der Steelers den Touchdown zum 14:0 in die Endzone trug. James Conner spielte eine Partie, die aufzeigte, warum dieser Mann 2018 in die Pro Bowl gewählt wurde: toughe Yards erspielend (zwar nur 41 per Rush, aber 78 über Receptions), körperlich, hart, kaum negative Plays. Conner hatte zu Saisonbeginn einige überraschend dürftige Leistungen dabei. Tritt er aber fortan so auf wie in Los Angeles, haben die Steelers einen massiven Building Block für die nächsten Wochen.

  • Die Laufverteidigung der Steelers war in vielen Phasen sehr dominant, die Chargers-Running-Backs Gordon und Ekeler fanden überhaupt nicht statt. Damit erreichte Pittsburgh das, was es vorhatte und das Team auf die Siegerstraße hievte: Rivers musste passen, weil L.A. eindimensional wurde. Die Steelers hatten mit ihrem starken Pass Rush (wohl der stärkste Mannschaftsteil Pittsburghs momentan) klar die Oberhand gegenüber der Chargers-O-Line – und Rivers fand nie in einen guten Rhythmus (bis es zu spät war).

  • Die Steelers kassierten im gesamten Game nur sechs Strafen, kaum eine davon in der Frühphase des Spiels, als man sich den entscheidenden, großen Vorsprung herausholte. Alles in allem ein disziplinierter Auftritt, so wie das sein muss, wenn man als Underdog überraschen will.

  • Der Receiving-TD von James Conner zum 21:0 war fast zu easy. Conner durchbrach ein Tackle des Corners und marschierte dann 26 Yards in die Endzone. Hut ab aber vor QB Devlin Hodges, der diesen Read machte und Conner ideal anspielte. Hodges spielte ein ansprechendes Game, wiewohl er keine Bäume ausreißen musste. Er warf eine Interception bei einem tiefen Ball, achtete sonst aber auf Ball Security, was den Steelers sehr gut tat.

  • Ich wiederhole mich, aber K Chris Boswell kickt enorm gut und sicher 2019, bis jetzt ist‘s eine Spitzenseason von ihm. Sein wackeliges Auftreten von 2018 scheint aktuell wie weggeblasen.

  • Auch wenn’s der Box Score manchmal so überhaupt nicht hergibt (drei Assisted Tackles), hab ich einen Narren dran gefressen, wie TJ Watt Football spielt. Watt kommt mit Regelmäßigkeit in die Nähe des Quarterbacks, indem er unermüdlich seine Gegenspieler attackiert und bedingungslosen Einsatz zeigt. Ein Pass batted down von ihm on 3rd Down war huge, um die Chargers vom Feld zu bekommen. Und auch wenn die Sacks diesmal ausblieben, bin ich mir bei Watt einfach sicher, dass es bei seinem Antrieb nicht anders passieren wird können, als dass er bald wieder für seine Plays honoriert wird mit ansprechenden Statistiken.

  • Joe Haden hatte ein feines Game und untermauerte seinen tollen Tag mit dem einen oder anderen sehr starken Pass Breakup. Alles in allem ist zu sagen, dass die Secondary generell – mit den Neuzugängen Steven Nelson und Minkah Fitzpatrick – deutlich besser auftritt als in einigen Games 2018. Sie hatte nicht unwesentlichen Anteil daran, dass den Chargers Sunday Night kein Comeback gelang. Joe Haden und Mike Hilton waren schon gute Pieces; durch das Dazunehmen der Neuzugänge steigert sich auch Terrell Edmunds gegenüber seiner Zeit mit Nebenmann Sean Davis. Auch Artie Burns scheint keineswegs mehr so hilflos zu agieren wie noch 2018, Cam Sutton spielte zudem auch stark.

  • That said: Ich bin kein großer Fan vom nominell dritten Steelers-Safety, Kam Kelly. Kelly sah bei einem TD durch Hunter Henry in Coverage überfordert aus. Auch sonst wechselten sich harte Hits mit missed Tackles ab, die so nicht passieren dürfen. Kelly muss in einigen Bereichen seines Games noch hart an sich arbeiten.

  • Kritikpunkt an der Defense der Steelers (in diesem Game wie auch schon wiederholt in anderen) sind die liegengelassenen Möglichkeiten, Interceptions zu fangen. Fitzpatrick, Hilton und Anthony Chickillo hatten allesamt klare Möglichkeiten, Takeaways zu fixieren. Alle drei ließen die Bälle durch die Finger rutschen. Und ich bin hier keineswegs Erbsenzähler: Für alle drei Chancen waren normale Catches und keineswegs akrobatische Einlagen vonnöten.

  • Tight End war quasi die einzige offensive Lifeline, über die die Chargers gegen Pittsburgh Erfolg verbuchen konnten. TE Hunter Henry kam auf 100 Receiving Yards und zwei Scores. Schon klar, jetzt kommt Kritik auf hohem Niveau, weil die Steelers u.a. Star-Wideout Keenan Allen bei zwei Catches hielten und total aus dem Spiel nahmen: Aber solche massiven Tage von Tight Ends wiederholen sich für die Steelers-Defense etwas zu oft. Die Linebacker und Safetys sollten gegen Quality Tight Ends noch mehr auf der Hut sein.

  • Und auch eben Henrys Erfolg ermöglichte es den Chargers irgendwie, bis unmittelbar vor dem Ende im Spiel drinnen zu hängen – was die Steelers eigentlich gar nicht hätten ermöglichen dürfen. Am Ende hat die Mannschaft ein Stück weit zu konservativ agiert, was dem Gegner oft zum Vorteil gereicht. Ruhig etwas mehr Mut bei Führung, um einen Gegner, der ohnehin schon konsterniert ist, auch wegzuspielen!

Steeler of the Week

James Conner

Zum zweiten Mal ist es Conner, der in diesem Segment die Nase vorne hat. Conner erspielte insgesamt 119 Yards und scorte zweimal, um den Steelers out West den Weg zum Sieg zu ebnen.

Noch war vieles nicht perfekt, vor allem was den Output Conners am Boden (41 Yards) betraf. Allerdings ist zu sagen, dass sich die Chargers natürlich drauf eingestellt hatten, dass die Steelers (mit dem dritten Quarterback) mehr rushen als passen werden wollen.

RB Benny Snell hatte am Boden mit über 70 Yards mehr Erfolg als Conner, aber Conner scorte zwei von drei Steelers-Touchdowns, war als Security Blanket für QB Devlin Hodges immer präsent und setzte sich gefühlt öfter gegen die D-Line der Chargers durch, als es der Box Score letztlich auswies.


Wo die Steelers diese Woche ansetzen müssen:

Machen wir’s hier kurz:

  • Die Steelers gehen jetzt in die Bye Week – und diese kommt zu keinem schlechten Zeitpunkt. Auch wenn man beim Gastspiel in Los Angeles erfolgreich und relativ verletzungsfrei blieb, ist es gut, jetzt die Zeit bis zum nächsten Game nutzen zu können, um einige Verletzungen auszukurieren und sich weiter mit den “neuen” Quarterbacks Rudolph/Hodges einzuspielen. Rudolph sollte beim nächsten Game aller Voraussicht nach ja wieder starten.

  • Einigen Key Playern der Steelers steht “Einspielen” gut zu Gesicht, weil sie A) zuletzt für ihre Klasse wenig präsent im Gameplan waren und B) auf sie noch gesetzt werden wird, wollen die Steelers nach der Bye so richtig angreifen und vielleicht sogar einen Lauf hinlegen: Ich denke hier vor allem an WR JuJu Smith-Schuster und TE Vance McDonald, die in der Bye sicher intensiv an der Chemie mit den jungen Quarterbacks schuften werden.

  • Und zu guter Letzt: Für die Steelers stehen in Week 8 dann die Dolphins am Spielplan, das momentan wohl klar schwächste Team der National Football League. Pittsburgh darf trotzdem keinesfalls ignorant werden, Miami als sicheren Sieg abtun und schon auf die Aufgaben ab Week 9 blicken. Die Steelers sind (in milderem Maße als Miami) selbst ein Team mit genug Baustellen, das demütig eine Aufgabe nach der anderen annehmen sollte. Ich bin mir recht sicher, dass HC Mike Tomlin es in ähnlicher Weise vermitteln wird.

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