Steelers-Saisonanalyse: die Offense :(

Steelers-Saisonanalyse: die Offense :(
Copyright Brook-Ward

Eine gute Woche ist’s nun her, seit die Steelers die 2019er Regular Season ohne Playoff-Teilnahme abgeschlossen haben. Die Enttäuschung darüber ist bei mir gar nicht mehr so präsent (ganz anders als 2018), einfach weil die Season ganz anders für Pittsburgh verlief als die Spielzeiten zuvor.

Die Vorzeichen im August standen so, dass die Steelers wussten, in Week 1 ohne ihre vormaligen Stars WR Antonio Browns und RB Le’Veon Bell dazustehen. Das Vakuum, das die beiden hinterließen, sollte durch die 2018-Pro-Bowler WR JuJu Smith-Schuster und RB James Conner geschlossen werden. Von beiden wurden große Dinge und starke Saisonen erwartet.

Offensiv wurde der Kader mit WR Donte Moncrief ergänzt, dem die WR2-Position neben Smith-Schuster zugedacht war. Dreh- und Angelpunkt wie Stern der Hoffnung für eine überzeugende Offense auch ohne Brown und Bell blieb Franchise-Quarterback Ben Roethlisberger.

Von TE Vance McDonald wurde ebenfalls viel erwartet, hatte er doch eine gute Vorsaison. Die jungen Wide Receiver James Washington und Diontae Johnson sollten sich in Ruhe weiterentwickeln und im Laufe der Season ihr Potential nachweisen.

Nichts verlief wie geplant

Gekommen ist es, wie wir wissen, ganz anders. Roethlisberger verletzte sich in Week 2 am Ellenbogen und war out for the season. Smith-Schuster und Conner wurden erheblich von Verletzungen zurückgeworfen und konnten nie in die ihnen zugedachten Rollen schlüpfen. Moncrief agierte inferior und wurde in der Folge entlassen, McDonald spielte kaum eine Rolle.

Die Steelers mussten auf eine Offense mit Mason Rudolph als Starting Quarterback setzen, der gegen Cincinnati in Week 12 sogar gebencht wurde. Danach (und in Week 6 aufgrund einer Verletzung) war QB Devlin Hodges der Passgeber der Offense – was in der Umsetzung gut begann, aber später implodieren sollte.

Geworden ist’s eine Season, die von den nackten Offense-Zahlen her ernüchternd ist, in welcher aber, wenn man mit dem nötigen Abstand objektiv und fair analysieren möchte, nicht mehr zu erwarten war bei diesen Vorzeichen, die ich oben beschrieben habe.

Die Steelers konnten in keinem einzigen Spiel mehr als 27 Punkte erzielen und stellten damit nur die 27st beste Offense der NFL. Bei den Yards on Offense schloss man als drittschlechtestes Team ab, bei Redzone-Trips-for-Touchdowns-Percentage, 3rd Down Conversions, 4rd Down Conversions und neuen First Downs rangierte man ebenfalls ganz, ganz weit unten.

Die Quarterback-Position früh als Sargnagel?

Aber was war zu erwarten von einer Offense, die von einem Second-Year-Man angeführt wurde (Rudolph), der erstmals starten durfte und kaum Pocket-Präsenz oder die nötige Passgenauigkeit für die NFL mitbrachte? Rudolph ist ein guter Typ – und Hodges nicht minder. Aber diese Chancen kamen für beide Player zu abrupt bzw. bin ich nicht sicher, ob auch nur einer der beiden eine solide NFL-Zukunft haben wird. Eher noch Rudolph, weil er Arm Strength mitbringt und sein Potential noch nicht ausgeschöpft sein dürfte.

Ich glaube aber, dass dennoch mehr drinnen war für diese Offense. Trotz der Tatsache, dass die Steelers Roethlisberger auf der Quarterback-Position mit Rudolph/Hodges niemals annähernd ersetzen konnten – das war schlicht nicht möglich.

Was mir nicht gefiel

Einige Gedanken kamen mir diese Spielzeit immer wieder, wenn ich der Offense so zusah bei den Spielen. Zu allererst gebe ich zu, dass ich enttäuscht war, dass die Steelers es mit ihrer (den Namen nach guten) Offensive Line nicht geschafft haben, ein dominantes Power-Running-Game aufzuziehen. Kaum über längere Strecken in einem Spiel – und schon gar nicht über mehrere Games hinweg.

Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Pittsburgh, weil James Conner so oft verletzt war, auf einem Mix aus RB Jaylen Samuels, RB Benny Snell, Conner und anderen zurückgreifen musste und dass Fullback Roosevelt Nix verletzt war. Das alleine greift aber zu kurz, weil es die O-Line zu schnell aus der Kritik nehmen würde.

Mit Leuten wie C Maurkice Pouncey, RG David DeCastro, LG Ramon Foster oder LT Al Villanueva war meine Erwartungshaltung, dass die Steelers auch ohne Roethlisberger den Ball gegen gewisse Gegner werden am Boden bewegen können. Das war zu selten der Fall. DeCastro und Villanueva hatten wie RT Matt Feiler passable Seasons, Foster und Pouncey definitiv Down-Years. Die Unit überzeugte aber zumindest im Pass Blocking über weite Strecken und ließ – im Ligavergleich – eine verschmerzbare Zahl an Sacks zu.

Aus dem Pool der Running Backs hat sich für mich 2019 keiner auch nur annähernd als Featured Runner für die Zukunft empfohlen. Snell hat eher enttäuscht, Samuels ist kein NFL-Kaliber-Player und Conners ständige Ausfallsperioden sind ein Riesenproblem. Auch wenn James Conner eine tolle Story für diese Stadt ist: Pittsburgh sollte im Draft oder in der Free Agency Running Back ganz weit oben auf der Prioritätenliste haben.

Was mir gefiel

Trotz der bescheidenen Overall-Zahlen darf man nicht den Fehler machen, alles schlecht zu reden, was die Offense 2019 darbot. Gerade bei den Passempfängern möchte ich hier einhaken, weil da in dieser Season grundlegende Arbeit passiert ist in der Entwicklung junger Guys, von der die Steelers ganz massiv profitieren könnten:

WR James Washington oder WR Diontae Johson (auch als Returner) haben rasch größere Rollen überantwortet bekommen für das Fortkommen dieses Teams, als das noch im Sommer zu erwarten war. Beide haben in gewissen Games Rückschläge via Drops oder Fumbles hinnehmen müssen, aber auch tolle Catches gezeigt. Washington und Johnson haben so einige Male mit Big Plays den entscheidenden Score beigetragen, um Siege einzufahren oder Games zumindest lange knapp zu gestalten.

Wie es sich entwickeln könnte

2020 sollte Ben Roethlisberger wieder fit und ausgerastet zur Truppe stoßen. Das ist zumindest das wünschenswerteste Szenario für einen Steelers-Fan. Sollte Ben aus irgendeinem Grund nicht fit werden, glaube ich nicht, dass die Steelers so töricht sind und mit Rudolph als Starter in diese Saison gehen werden. Rudolph braucht klar und deutlich noch Zeit, um sich hinter jemandem zu entwickeln.

Ich glaube aber auch nicht, dass die Steelers im 2020er Draft (für den sie ja keinen First Round Pick mehr besitzen) früh einen Quarterback landen werden. Sollte Roethlisberger Probleme haben, in die nächste Season als Starter zu gehen, halte ich einen Trade für möglich. Ansonsten wird die Depth Chart Roethlisberger-Rudolph lauten.

Personell verbessern sollte man sich perspektivisch auf Running Back und auf der Guard-Position. Gerade in der Interior Offensive Line ist Ramon Foster nun schon fast 35 – und hatte ebenso wie sein Backup BJ Finney eine schwache Saison. Finney ist noch dazu ein Free Agent.

Auf Tight End werden die Steelers wohl weiterhin auf Vance McDonald setzen. Ich gehe davon aus, dass er behalten wird. Auf der Wide-Receiver-Position sehe ich Black and Gold mit Smith-Schuster (2019 war ein großer Rückschlag, doch er ist immer noch ein Special Talent), Washington und Johnson bestens aufgestellt.

Ausnahmen gibt es immer wieder, aber für mich steht und fällt eine Offense in der NFL zu allererst mit der Klasse ihres Triggermans, dem Quarterback. Steeler-Nation hat für 2020 keinen Backup-Plan, weil man aufgrund des fehlenden hohen Draftpicks auch kein großes Passer-Talent im Draft holen kann. Der Plan-1A lautet: Mit Roethlisberger wieder angreifen und die Offense revitalisieren. Und ich bin verdammt nochmal überzeugt davon, dass das funktionieren wird.

photo credit: Brook-Ward <a href=”http://www.flickr.com/photos/57915000@N02/48883234431″>JuJu</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/”>(license)</a>

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