Steelers-Saisonanalyse: die Defense :)

Steelers-Saisonanalyse: die Defense :)
Copyright Brook-Ward

Kein Zweifel: Der Mannschaftsteil, der den Steelers primär zu ihren acht Saisonsiegen verholfen hat, war 2019 die Defense. Auch im Vergleich zu den Jahren in der unmittelbaren Vergangenheit ist der Unit in dieser Saison auf vielen Ebenen ein großer Qualitätsprung gelungen. Diesen Umstand möchte ich heute beleuchten und auch eine Einschätzung zum Coaching abgeben.

Zwei Zahlen als Qualitätsnachweis

Pittsburghs Defense verzeichnete in der Regular Season 38 Takeaways und 54 Sacks, beides Bestwert in der NFL. Sacks waren schon zu Zeiten, als James Harrison noch in seinen Primes war, etwas, für das die Steelers lange standen on Defense. Die erfreuliche Entwicklung bei den Forced Fumbles und Interceptions ist neu. Und es sind einige Faktoren zusammengekommen, dass es so gekommen ist.

Entscheidend für die Entwicklung der Steelers hin zu einer Top-5-Defense war sicher u.a. der In-Season-Trade für Safety Minkah Fitzpatrick am Beginn der Season. Die Steelers gaben dafür ihren 2020-First-Round-Draftpick an die Dolphins ab, und ich stand dem Trade damals skeptisch gegenüber. Er hat sich aber als goldrichtig erwiesen. Fitzpatrick stellte unter Beweis, ein Klassemann in der Mitte des Feldes zu sein, der in der Folge kaum noch angeworfen wurde, weil er mit seinen starken Ball Skills in den ersten Spielen so ziemlich alles, was in seine Richtung kam, in ein Takeaway zu verwandeln wusste.

Schon davor hatten die Steelers in der Free Agency Corner Steven Nelson und Linebacker Mark Barron von den Chiefs bzw. Rams als Starter für die Defense dazugeholt. Bei Nelson ging die Rechnung auf. Er spielte wie sein Pendant CB Joe Haden (der endlich mal die meiste Zeit gesund blieb während einer Spielzeit) eine starke Saison, ließ kaum Big Plays zu und hatte auch die großen Receiver-Namen meist gut im Griff.

Mark Barron hat mich trotz der starken Overall-Performance der D nicht überzeugt und war vermutlich der schwächste Link einer ansonsten starken Verteidigung. Barron machte zwar das eine oder andere gute Play, seine Schwächen in Coverage und im Tackling kamen aber unangenehm oft zum Vorschein.

Nelson top, Barron eher Flop

Barron blieb oft am Feld, weil die Steelers Rookie-Linebacker Devin Bush nicht zu früh verheizen, sondern langsam heranführen wollten. Bush nutzte seine Spielzeit, war Leader des Teams bei den Tackles und sorgte vor allem am Beginn der Season für so einige Splash Plays. Dennoch ist bei dem jungen Mann noch ordentlich Luft nach oben in puncto Konstanz – was aber freilich auch so zu erwarten war. LB Vince Williams gefiel mir in seinen Einsätzen besser als Barron, bekam aber interessanterweise weniger Spielzeit als dieser.

Interceptions, von denen die Secondary um Fitzpatrick und den 2019 hellwachen Joe Haden profitieren, kamen freilich meistens nicht “einfach so” daher, sondern waren das Resultat einer Front Seven, die es oft verstand, den gegnerischen Quarterback unter Druck zu setzen. OLB TJ Watt hatte ein Career Year mit 14,5 Sacks, zwei Interceptions und gewaltigen acht Forced Fumbles. 

Als rechter OLB trumpfte nach langen Jahren des Durchschnitts Bud Dupree in seinem Contract Year mit 11,5 Sacks auf. Er sorgte dafür, dass Defenses nicht einzig gegen Watt gameplannen konnten und nutzte seine Chancen für Plays regelmäßig. Die Steelers sind nach aktuellem Stand der Dinge in einer recht prekären Salary-Cap-Situation und Dupree könnte sich (wie NT Javon Hargrave) mit seiner Leistung aus der Steel City herausgepriced haben, sollte Pittsburgh nicht den Franchise Tag auf ihn anwenden wollen.

Was ist sonst noch zur Steelers-Defense zu sagen und warum kam es so, dass die Unit eine Offense, die solche Probleme hatte, so oft in Games halten konnte?

Tuitt früh verloren

Pittsburgh hatte auf dieser Seite des Balles – ganz im Gegenteil zur Offense – relatives Verletzungsglück. Von den Startern erwischte es einzig DE Stephon Tuitt relativ früh, der mit einer Burstmuskelverletzung auf Injured Reserve musste. Tuitt spielte bis zu diesem Zeitpunkt eine tolle Saison und wird integral wichtiger Bestandteil in den Zukunftsplänen der Steelers sein.

Da sonst die Starter faktisch immer fit und dabei waren, entwickelte die Defense eine gute Chemie und ein Selbstverständnis untereinander, wirkte immer abgestimmt und eingespielt und kam so mutmaßlich zu mehr Splash Plays als in den Jahren zuvor.

Noch wichtiger war aber ganz sicher das Faktum, dass die Steelers erkannten, auf welchen Positionen sie qualitativ zu schwach aufgestellt sind (CB2, Safety, MLB) und just hier – auch mit teuren Investitionen – angesetzt haben. Von den Dingen, die sich das Front Office am Reißbrett ausgedacht hat, um die Unit zu verbessern, sind mehr aufgegangen als nicht. Und v.a. auch schlicht deshalb ist’s so gekommen, dass sich die Steelers-D derart erfreulich präsentiert hat.

Front Office und Coaching sind zum Abschluss noch einmal das Stichwort:

Ich möchte festhalten, dass ich finde, dass Head Coach Mike Tomlin mit den Karten, die er an der Hand hatte, einen sehr guten Job gemacht hat für die 2019er Season. Denn rekapitulieren wir: QB1 verletzt verloren, auch den QB2 gleich mehrmals während der Season verletzt nicht dabei gehabt. Bester WR oft verletzt gewesen, bester RB ebenso. Mit Tuitt früh einen angehenden Pro Bowler auf IR setzen müssen. Dazu einen 0-3-Start überkommen müssen.

Andere Franchises, die weniger unaufgeregt ihre Arbeit machen als die Steelers, wären bei diesen Grundvoraussetzungen 3-13 gegangen und hätten sich einen sehr hohen Draftpick für den nächsten Frühling gesichert. Nicht so die Steelers, die sehr lange im Playoff-Race ganz dick drinnen waren.

Dass es am Ende nicht gereicht hat und nach drei Niederlagen bei 8-8 und ohne Playoffs geendet hat: Muss man so hinnehmen können. Die Titans sind verdient über die Steelers in die Postseason marschiert (wie sich jetzt zeigt) – und Pittsburgh hätte mit Devlin Hodges und Paxton Lynch als Quarterbacks mutmaßlich nichts niedergerissen in den Wildcards.

Blick auf die Coordinators

Respekt also vor der Leistung von Tomlin – bei seinen Coordinatoren sehe ich es differenziert. D-Coordinator Keith Butler, ein kauziger Typ, hatte seine Unit bestens im Griff, profitierte auch von mehr Talent am Roster. Bei diesem Output seines Mannschaftsteils ist ihm ein Lob auszusprechen, er sitzt fest im Sattel.

Die Leistung von Offensive Coordinator Randy Fichtner hat mir über lange Strecken der Season nicht gefallen. Natürlich konnte Fichtner nur mit dem Personal arbeiten, das er zur Verfügung hatte – und das war bei Gott nicht immer das denkbar beste. Dennoch hat mir von Fichtners Seite oft das inspirierte, überraschende Playcalling gefehlt. Die Wildcat-Offense hat nur in einem Spiel funktioniert – Fichtner ist dennoch in der Folge nicht davon abgegangen. Auch als sich jeder darauf eingestellt hatte.

Bottom Line ist aber: Fichtners Unit war zwar in fast allen relevanten Kategorien weit hinten im NFL-Vergleich, er wird aber mit großer Sicherheit trotzdem im Amt bleiben. Fichtner ist ein Intimus von QB Ben Roethlisberger – und diesem freundschaftlich verbunden. Man wird einfach drauf setzen, dass Fichtners Playcalling- und Coaching-Leistung sich 2020 verbessert, wenn die Offense unter Roethlisberger hoffentlich potenter und gefährlicher auftreten wird.

photo credit: Brook-Ward <a href=”http://www.flickr.com/photos/57915000@N02/48852385573″>Joe Haden</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/”>(license)</a>

Menü schließen