Führt die Steelers-Offense Pittsburgh 2020 in lichte Höhen?

Führt die Steelers-Offense Pittsburgh 2020 in lichte Höhen?
Copyright Brook-Ward

Um den Blick bei den Steelers, die ja schon seit geraumer Zeit im Trainingcamp am und rund ums Heinz Field schuften, auf das Sportliche zu richten, möchte ich mich heute an eine Bestandsaufnahme des Kaders wagen, mit dem Black and Gold in diese Corona-Season geht.

Anhand der verschiedenen Positionen soll ein Gefühl gegeben werden, wo die Steelers im Ligavergleich sehr gut aufgestellt sind – und wo andersrum der Roster möglicherweise augenscheinliche Schwächen aufweist.

Beginnen wir in der Offense:

QUARTERBACK

Alle wissen es, alle freuen sich: Ben Roethlisberger, der die letzte Saison eine heftige Ellenbogenverletzung erlitt und fast die gesamte Spielzeit ihretwegen verpasste, kehrt mit seinen 38 Jahren als unumschränkter QB1 und Field General zurück. Devlin Hodges und Mason Rudolph teilten sich in Big Bens Absenz die Einsätze auf – ohne nachhaltigen Erfolg. Und ohne den Effekt, die Fanbase überzeugt zu haben, die Antwort für die Post-Roethlisberger-Ära sein zu können. Rudolph wird im Trainingcamp Verbesserung nachweisen müssen, um in Pittsburgh dauerhaft als QB2 für voll genommen zu werden. Hodges wird gegen Paxton Lynch – momentan als QB4 am Roster – darum rittern, überhaupt als Kaderspieler in die Saison gehen zu dürfen.

OFFENSIVE LINE

Ich stehe dazu: Die Offensive Line ist hinter dem Quarterback der wichtigste Mannschaftsteil im American-Football-Sport. Gerade hier stehen bei den Steelers altersbedingt Umwälzungen an – oder zumindest Weichenstellungen. Guard Ramon Foster ist nach einer feinen Karriere zurückgetreten, die Starter T Al Villanueva, G David DeCastro und C Maurkice Pouncey sind allesamt schon 30 oder älter. Alle drei werden auch 2020 als Starter und Leader der Line in die Saison gehen, aber Pittsburgh hat seinen Fokus darauf gelegt, potentielle Nachfolger aufzubauen: T Chuks Okorafor, G Zach Banner oder T Matt Feiler (der 2019 schon startete und dabei überzeugte) werden zeigen dürfen, wer von ihnen langfristig Baustein der Steelers-O-Line sein will und wird. Super-Bowl-Champ und Ex-Chief G Stefen Wisniewski ist eine Bridge-Lösung für wahrscheinlich zwei Jahre, die für mehrere Positionen in Frage kommt.

RUNNING BACK/FULLBACK

Passieren bei QB und O-Line bei den Startern keine Verletzungen, hege ich Zuversicht für diese Positionen – auf Running Back weniger. Starter in seinem Contract Year (immer vorausgesetzt, keine Verletzungen passieren) wird James Conner sein. Conner ist eine tolle Geschichte nach seiner im College überstandenen Krebs-Erkrankungen – und er hat eine Pro Bowl als Pittsburgh-Starter erreicht. Für mich ist er dennoch nicht mehr als ein Average Back in dieser Liga, mir fehlen die speziellen Skills bei ihm, auf die ich mich Match für Match freuen kann. Zudem ist er nicht selten angeschlagen und verpasst dadurch Spiele.
Dahinter sitzen auf der Depth Chart Benny Snell und Jaylen Samuels, die beide 2019 nicht zu überzeugen wussten. Snell, der ein Rookie war, kann man das vielleicht nachsehen, bei Samuels waren die erlaufenen Yards per Carry erschreckend, er ist für mich ein Streichkandidat. Um weitere Rosterplätze mischen 2020-Fourth-Rounder Anthony McFarland, Kerrith Whyte (der mir teilweise gut gefiel im letzten Jahr) und der neulich akquirierte Ex-Eagle Wendell Smallwood mit. Läuft das Trainingcamp normal, sollte sich einer der Letztgenannten als Mann hinter James Conner positionieren können und Samuels nicht weiter gerostert werden. Snell wird seine Carry-Anzahl nur steigern dürfen, wenn er im Camp klar verbessert gegenüber 2019 auftritt.
Als Fullback wurde Derek Watt, der Bruder von TJ und JJ, von den Chargers dazu geholt. Watt hat finanziell einiges an Fixum in seinem Vertrag – und damit seinen Rosterplatz gesichert inne. Ob er leistungstechnisch ein Upgrade über Roosevelt Nix sein wird, will aber erst bewiesen werden.

TIGHT END

Hier haben die Steelers eine Position, die letzte Spielzeit wackelig beisammen war, am Papier in eine Stärke verwandelt. 2019 rosterte man Xavier Grimble, der schnell keine Rolle mehr spielte, Rookie Zach Gentry und den mit Potential gesegneten, aber leider immer wieder mal verletzten Vance McDonald. McDonald konnte nicht an seine guten Leistungen aus 2018 anschließen, womit zu viel Druck auf die Wide Receiver gelastet wurde. Nun hat GM Kevin Colbert reagiert und in der Free Agency Ex-Colt Eric Ebron dazu genommen. Ebron hat – ganz ähnlich wie McDonald – immer wieder mal mit Verletzungen und Schwankungen zu kämpfen. Aber rein vom Potential und seinem massigen Körperbau her ist der ehemalige First-Round-Pick ein eklatantes Upgrade für Pittsburgh. Schlägt der Verletzungsteufel 2020 hier nicht unbarmherzig zu, sollten die Steelers Freude haben mit ihrer Tight-End-Unit.

WIDE RECEIVER

Licht und Schatten gab’s bei den Passempfängern in der letzten Saison zu konstatieren – und zugegeben: Sie hatten es auch nicht leicht, weil sie einfach von keinem Top-Quarterback mit Zuspielen gefüttert wurden. Rookie Diontae Johnson hatte eine gute Debüt-Saison und sollte von Ben Roethlisbergers Präsenz nur noch mehr profitieren. James Washington hat bisher in Pittsburgh in seinen zwei Jahren einen wechselhaften Eindruck gemacht, von ihm muss mehr Konstanz und Leistungsnachweis zu sehen sein, will er dauerhaft in der Steel City starten. Lead Dog der Gruppe ist noch immer der nach wie vor sehr junge JuJu Smith-Schuster, der 2019, mit hohen Erwartungen gestartet, ein komplett enttäuschendes Jahr zu verzeichnen hatte. Für ihn geht’s in einem Contract Year um die Weichenstellung für seine weitere Karriere. Darum, ob er in Pittsburgh einen hochdotierten Vertrag bekommen wird können oder nicht.
Gespannt bin ich auf 2020-Second-Rounder Chase Claypool, einen großen, athletischen Receiver, der im College zu überzeugen wusste. Er könnte eine „gute Version“ von Martavis Bryant werden, wenn für die Steelers ihre Rechnung voll aufgeht. Deon Cain und Ryan Switzer dürften Nischenrollen besetzen, wenn sie es auf den Final Roster schaffen.
Alles in allem ist die Unit jung und entwicklungsfähig – da bin ich äußerst positiv gestimmt.

Und in den nächsten Tagen werden wir auch einen Blick drauf werfen, was denn die Defense für 2020 so verspricht. Also bleibt mir gewogen!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Erstmal schön, wieder was von den Steelers auf dieser Seite zu lesen!!!
    Bei den für und wieder‘s bin ich grundsätzlich bei Ihnen. Vom Karma-Konto her wäre es mal wieder Zeit, dass die Steelers vom großen Verletzungspech verschont bleiben. Vom Bauchgefühl her, vor allem durch die Corona-Problematik (keine richtigen Vorbereitungsspiele, eingeschränktes Training, psychische Belastung der Spieler, ggf. keine Spiele mit Zuschauer etc.) ausgelöst, habe ich eher bedenken als positiv Gefühle auf die neue Saison. In jedem Mannschaftsteil gibt es wieder die „Abers“ (man, waren das noch entspannte Zeiten mit den 4 „B‘s“, auch wenn der größte Erfolg ausblieb): bleiben sie verletzungsfrei (Connor), bringen sie wieder die Unterschieds-Leistung wie früher (JuJu) oder kommt BigBen wieder auf ein oberes Level nach der langen Auszeit. Entweder läuft es am Schnürchen oder es wird erneut eine Durchgangssaison…nur mit dem Schicksal, dass ein Umbruch danach kommen wird, der die Steelers gut 2-3 Stufen (Team-Overall) weiter nach unten reichen wird.
    Man kann nur Daumen drücken, und vielleicht ist es auch ein Gutes, dass dieses Jahr vieles anders läuft als sonst in einer Saison. Man sollte die Chance nutzen und vielleicht kriegt es der Steelers-Stuff hin besser in dieser Krise zu performen als die Konkurrenz!? Toi Toi Toi

Schreibe einen Kommentar

*

code

Menü schließen