Steelers in Dallas arrogant und sehr glücklich

Steelers in Dallas arrogant und sehr glücklich
Copyright Brook-Ward

24:19, so der Final Score des Siegs der Steelers bei den Dallas Cowboys. Ein Sieg, der das Team unbesiegt auf den Record von 8-0 hievt, mir als Steelers-Fan aber kaum Freude beschert hat.

Kann sein, dass diese heutige Analyse kürzer als andere in der Vergangenheit ausfällt, einfach weil ich noch angefressen bin nach dem Spiel gestern. Und ich bin kein verwöhnter Erfolgsfan, der wie selbstverständlich Blowout-Wins seines Teams fordert.

Was ich fordere, sind Herz, Charakter und Esprit gegen jeden Gegner – auch wenn dieser am Papier chancenlos erscheint. Und diese Tugenden habe ich gestern bei den Steelers über lange Strecken nicht oder in unzureichendem Ausmaß gesehen.

Offense

Die Offensive war in der ersten Hälfte ein Fiasko und erfing sich im zweiten Abschnitt mit der Umstellung auf viele, viele Empty Sets gerade so, dass genug Punkte für den Sieg herausschauten.

Die ideenlosen und schwach exekutierten Plays in den ersten beiden Quartern waren nur schwer zu ertragen. Warum man bei 3rd and Long Crossing Routes 10 Yards hinter der Line to gain anwirft, wo der Receiver sofort getackelt wird, ist beyond me. Für das hirnlose Rennen durch die Mitte bei 3rd und 4th and Short gilt genau dasselbe. Das ist im Übrigen ein Down, bei dem die Steelers alarmierend oft im Power Running scheitern, was nur noch niemand erkannt zu haben scheint.

Ein 4th-and-Short-Fail hätte Pittsburgh gestern beinahe das Game gekostet, als man stupide rushte und scheiterte, anstatt mit wenig Zeit auf der Uhr ein Field Goal für eine 8-Punkte-Führung zu kicken.

Dallas übernahm und wurde erst mit dem finalen Play in der Steelers-Endzone gestoppt, als die Hausherren einem möglichen siegbringenden Score nahe waren.

Die Häufigkeit und Klarheit, mit der die Steelers bei 3rd and 6+ nicht im Stande waren, neue, überraschende Plays für neue First Downs zu erspielen, war besorgniserregend. Generell hatte ich das Gefühl, dass bei vielen Plays maximal das herausschaute, wofür geblockt war oder was der Receiver mindestens herausholen musste aus der Situation – elektrisierendes Big Play -> Fehlanzeige.

WR Chase Claypool, der vor einigen Wochen als wundersamer Heilsbringer gefeiert wurde, hatte kein gutes Game und kehrt aus der Unsterblichkeit langsam wieder zum Menschsein zurück. Claypool war Ben Roethlisbergers Favorite Target, machte aber zu wenig aus seinen Chancen und ließ mehrere fangbare Bälle fallen oder an ihm vorbei passieren. Auch das kostete den Steelers Positionen on Offense.

Ben Roethlisberger verletzte sich kurz vor der Pause nach einem Hit der Cowboys gegen ihn am Knie, weshalb Backup Mason Rudolph für einige Plays übernehmen musste. Roethlisberger kam aber nach der Pause zurück. Nach dem Spiel wurde die Verletzung vom Team kleingeredet, was hoffentlich der Wahrheit tatsächlich nahekommt. Ich werde die Situation natürlich beobachten.

Wie schon erwähnt: Nach der Pause gelangen genügend Plays im Passpiel, um den Sieg aus Texas mitzunehmen. Wo allerdings das Laufspiel in der zweiten Hälfte hinverschwunden ist, kann ich bei besten Willen nicht sagen. Dass das Rushing Game nach dem Spiel in Baltimore die zweite Woche in Serie quasi nicht zu gebrauchen war, lässt mich grübelnd zurück.

Die Steelers probierten es zu Beginn des Spiels mit Laufspiel. Als dies überhaupt nicht in Schwung kam, gaben sie es fürs gesamte weitere Game einfach auf. Spricht nicht fürs Playcalling oder eine ausbalancierte Offense.

Defense

Genau wie on Offense beschlich mich auch on Defense das Gefühl, dass die Steelers Dallas im Vorfeld unterschätzt hatten und (einige Spieler) arrogant vorgingen.

QB Garrett Gilbert, so was wie die vierte Wahl der Cowboys in dieser Season, konnte sein Team teils unbedrängt und ruhig zu einer verdienten Pausenführung führen, weil die Steelers über den Pass Rush fast den ganzen Abend über zu wenig Druck aufbauen und auch dem Laufspiel der Cowboys (wieder beinahe 150 Yards hingenommen) nicht beikommen konnten.

Ich darf nochmals unterstreichen, dass ich keine hohen Siege oder überhaupt Siege der Steelers als Selbstverständlichkeit ansehe. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass nur S Minkah Fitzpatrick, End Cameron Heyward und ein, zwei andere ihr Herz in die Hand nehmen und viele andere plötzlich keine Normalform mehr erreichen, muss ich die Frage nach der Ernsthaftigkeit und Einstellung stellen. Und das ärgert mich.

In der Rush-Defense, einer großen Stärke der ersten Spiele, müssen die Steelers nach zwei katastrophalen Games dringend Lösungen finden. Der Ausfall von Nose Tackle Tyson Alualu kann ein Faktor in der Erklärung sein, aber auch ohne ihn ist’s inakzeptabel, plötzlich das Doppelte oder Dreifache an Yardage im Vergleich zu vorher hinzunehmen. Was hat NT Isaiah Buggs gestern gemacht? Hatte der auch nur ein einziges Tackle?

Glück hat man, dass man – ich streiche das ja immer wieder heraus – Charakter-Spieler wie Heyward in seinen Reihen hat; Heyward, der Gilbert spät im Game bei einem mit TJ Watt geteilten Sack förmlich auffressen wollte und den Steelers mit einem Turnover on Downs den gefühlten Sieg bescherte. Heyward konnte nichts dafür, dass der Coaching Staff den Win mit der bereits erwähnten schockierenden Nicht-Field-Goal-Aktion fast noch hergegeben hätte.

Sonstiges/Fazit

Es war ein Spiel, in dem Offense, Defense und Coaching keineswegs überzeugten, aber in dem die Special Teams fast den traurigsten Eindruck von allen Units hinterließen:

K Chris Boswell verkickte zwei Kicks, die Steelers kamen zu keinem brauchbaren Return und gaben selbst eine ganze Fülle an Return Yards ab, weil die Coverage Groups machten, was sie wollten. Allein deswegen hätte die Cowboys den W eigentlich fast mehr verdient gehabt als Black and Gold.

Wenn ich die Season bis zu diesem Punkt Revue passieren lasse, war EIN komplettes Game dabei, bei dem man den Gegner in allen Phasen im Griff hatte und gnadenlos vor sich hertrieb: Das war das Heimspiel gegen Cleveland.

Der perfekte Record von 8-0 mag zufrieden stimmen, täuscht aber nicht darüber hinnweg, wie oft gegen am Papier unterlegene Gegner Leerlaufphasen dabei waren im Steelers-Spiel, in welchen das Team nichts zustandebrachte.

Kriegt man es nicht endlich hin, komplette Games  zu spielen oder Leads nach tollem Beginn seriös zu verwalten, wird man spätestens im Divisional Playoff oder im Conference Final auf die Schnauze fallen. Dort warten Gegner, die derlei Schwankungen und Calamities kalt ausnutzen werden.

Ich will gar nicht benennen, wer es ist, aber die Steelers sind nicht das beste Team in dieser League aktuell. Der Record täuscht und ist trügerisch. Wer ihn als Steelers-Freund wie einen Orden vor sich herträgt und damit angibt, ist töricht. Viel Arbeit liegt vor diesem Team.
(So, Analyse wurde doch deutlich länger, als ich’s geplant hatte ^^…)

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