Sieg in der Wüste: Steelers segeln auf Playoff-Kurs

Sieg in der Wüste: Steelers segeln auf Playoff-Kurs
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Pittsburgh machte sich in Arizona das Leben schwerer als nötig – worauf ich freilich zu sprechen kommen muss -, durfte aber trotzdem mit einem 23:17-Sieg nachhause fliegen.

Hier die Takeaways des turbulenten Spiels im Unversity of Phoenix Stadium:

  • Die Steelers begannen mit einem anständigen Drive und viel Laufspiel. Dieser kam jedoch spät ins Stocken und es reichte nur zu einem Field Goal. Es sollte vor der Pause dennoch der beste Drive der Offense bleiben.

     

  • Früh und oft setzte Pittsburgh wieder auf die Dienste von RB Jaylen Samuels, der als erster James-Conner-Ersatz forciert wird. Während Samuels‘ Qualitäten im Passspiel als Receiver ersichtlich sind, verstehe ich nicht, warum er auch nur ein Carry pro Spiel bekommen sollte. Samuels läuft in dieser Season für unter drei Yards/Laufspielzug, erzielte gestern am Boden 16 Yards aus sieben Versuchen und ist der schlechteste Läufer im Backfield der Steelers.

     

  • Auch bei RB-Kollegen Benny Snell wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Snell rushte für 41 Yards aus 16 Carries – keine gute Ausbeute.

     

  • Nach der knappen 3:0-Führung passierte etwas, das ich mir lange gewunschen, aber eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hatte: Die Steelers scorten über einen Return-Touchdown. Diontae Johnson, der seine schwache Leistung aus dem Browns-Spiel wettmachte, lief einen Punt die rechte Seite entlang 85 Yards für einen Touchdown zurück, das absolute Highlight dieses Spiels in Black and Gold.

     

  • Wie schon in der Einleitung erwähnt, stand sich Pittsburgh in Arizona aber bisweilen auch gewaltig selbst im Weg, was zur Folge hatte, dass man das ganze Spiel über die Cardinals nicht distanzieren konnte. Benny Snell fumbelte nach dem Johnson-TD den Ball, die Cardinals verzeichneten ein geschenktes Field Goal und sollten noch vor der Pause auf 10:10 ausgleichen.

     

  • Dass die Gäste mit einer knappen 13:10-Führung in die Kabine gingen, war einem späten Field-Goal-Drive geschuldet. Bei dem imponierte mir primär, wie entschlossen QB Devlin Hodges, der ein gutes Spiel machte, aber nicht vollends “von der Leine gelassen wurde”, rushte. “The Duck” nutzte abgebrüht die Räume, die ihm die Cardinals-D gab oder entkam geschickt dem Blitz und hielt so Drives am Leben. Bei einem Strip Sack, den Tackle Matt Feiler recoverte, hatte Hodges allerdings Glück.

     

  • Dass die Steelers mit einem 3 and out aus der Pause kamen, half ebenso nicht wie die Tatsache, dass das Tackling der D ein wenig nachließ und die Cardinals offensiv besser in Schwung kamen bei längeren Drives. Arizona griff zudem das ganze Spiel über auf die No Huddle Offense zurück, womit die Defense so ihre Probleme hatte, weil das längere Verteidigen der No Huddle einfach Kraft kostet.

     

  • Ein gelungener Fake Punt der Gastgeber passte in dieser Phase ins Bild, weil die Steelers ein Stück weit wegzubrechen oder zumindest die Führung abzugeben drohten.

     

  • Und genau da, zum perfekten Zeitpunkt, gelang CB Joe Haden, der in der Flat in Coverage lauerte, eine herausragende Interception, so dass QB Kyler Murray und die seinen in diesem Drive punktelos blieben. Es sollte unter anderem diese eine Possession ohne Punkte sein, die in einem One Score Game am Ende das Pendel für die Steelers ausschlagen ließ.

     

  • Die Steelers fingen sich nach dem Turnover vorübergehend und scorten über Diontae Johnson (sein zweiter TD an diesem Abend) aus kurzer Distanz erneut. Das 20:10 fühlte sich zu dem Zeitpunkt ein bisschen nach Vorentscheidung an.

     

  • Die Cardinals, bei denen First-Overall-Pick Kyler Murray Flashes zeigte, aber nicht rundum überzeugte, blieben aber lästig. Zunächst gelang es TJ Watt glücklerweise, einen schlechten Murray-Pass in der Endzone zu intercepten, als der QB easy für den Touchdown hätte laufen können.

     

  • Nicht viel später unterlief S Terrell Edmunds einen Pass auf RB David Johnson und Johnson scorte hinter ihm in der Endzone zum 20:17 aus Steelers-Sicht.

     

  • Unmittelbar davor – womit wir wieder bei den selbstverschuldeten Fehlern sind – hatte Punter Jordan Berry den Punt nicht weggebracht. Berry, so wirkten zumindest die Fernsehbilder, wollte zwar keinen Fake Punt ausführen. Ihn ergriff aber die Panik, weil er die Punt Blocker schon nah wähnte, so dass er selbst zu rushen versuchte. Der Australier verlor daraufhin einen Fumble und Arizona übernahm, hätte dies aber ohnehin getan, weil 4th Down – und Berry war nicht in der Nähe von First Down Yardage.

     

  • Nach dem Arizona-Touchdown und mit einer Führung von nur drei Punkten gelang es Devlin Hodges ganz gut, Zeit von der Uhr zu nehmen und die Offense in Field Goal Reichweite zu führen, unter anderem mit einer 3rd Down Conversion auf Johnson, die sehr wichtig war.

     

  • Die Steelers machten aber, als sie das Game faktisch hätten ausmachen sollen, den fast unverzeichlichen Fehler, einen Pass imcomplete zu werfen, anstatt zu rushen und den Cardinals die Timeouts zu rauben. Durch den vermurksten Pass (hier ist das Playcalling ebenso zu kritisieren wie Hodges!) bekamen die Gastgeber den Ball nach dem Steelers-FG zum 23:17 mit etwa 1:45 Minuten auf der Uhr statt mit 1:10 Minuten. Das macht für mich einen erheblichen Unterschied, wenn der Gegner noch einen Touchdown erzielen muss.

     

  • Allerdings zeigte sich Kyler Murray außerstande, auch nur das Geringste gegen die Steelers-Defense zuwege zu bringen. Eine Interception von Joe Haden on 4th Down beendete die Partie.

Update: HC Mike Tomlin räumte nach dem Spiel ein, sehr wohl einen Fake Punt an Jordan Berry ausgegeben zu haben. Ein Kommunikationsproblem im Punt Team soll dann schuld an Berrys schlechtem Play gewesen sein.


Steeler of the Week

Diontae Johnson

Wie schon einige Male sind mir nach einem Game mehrere Steelers eingefallen für diese Rubrik. Joe Haden verzeichnete zwei Interceptions und hätte es gut und gerne werden können, nachdem die Wahl schon nach dem Brown-Spiel auf ihn fiel.

Den Zuschlag bekommt aber mit WR Diontae Johnson diesmal ein Offensivmann. Johnson verzeichnete nicht nur beide Touchdowns der Steelers, bemerkenswert war die Art und Weise von Score Nummer eins. Nach gefühlten Ewigkeiten und langer Durststrecke verbuchten die Steelers nämlich ENDLICH mal wieder einen wunderbaren Return-Touchdown. Gratulation dem jungen Mann dazu.


Wo die Steelers diese Woche ansetzen müssen:

  • Jordan Berry puntete einmal von der gegnerischen 42 für gerade mal 27 Yards an die 15. Da verlange ich von einem professionellen Athleten schon mehr als das. Puntet man in der gegnerischen Hälfte, erhoffe ich mir schon so viel Präzision, dass der Gegner nahe der eigenen Goalline beginnen muss.

  • Die Steelers haben gestern, untypisch, weil das eigentlich bisher gepasst hat 2019, einige längere Returns zugelassen. Da war so einiges Richtung 35- oder 40-Yard-Line dabei. Das ist zu gute Starting Field Position für den Gegner.

  • Über Diontae Johnson verbuchten die Steelers Gott sei Dank mal einen Red-Zone-Touchdown (von der 2-Yard-Linie). Das Power-Running-Game an der Goalline die Spielzüge davor war aber wieder einmal nicht gut exekutiert und mangelhaft. Hoffentlich schafft James Conners Rückkehr hier Abhilfe. Gegen Buffalo wird’s nicht leichter, den Ball zu laufen. Und man wird overall auch eine bessere Leistung benötigen.

  • Und apropos Running Game: Jaylen Samuels habe ich einmal mehr kritisiert, aber dafür hat der junge Kerrith Whyte zum wiederholten Male einen feinen Eindruck hinterlassen (5 Carries/41 Yards). Ich würde es gerne sehen, wenn man Whyte mehr Chancen einräumen und Samuels‘ und Snells Auftritte reduzieren würde.

  • Am Ende noch was Positives: Nur vier Strafen für 20 Yards über ganze Spiel sind sehr okay. Disziplin und Penalties hatte das gesamte Team gestern gut im Griff.

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