Reife Leistung hält Steelers vor Thanksgiving auf Kurs

Reife Leistung hält Steelers vor Thanksgiving auf Kurs
Copyright Brook-Ward

Mit einem 27:3-Erfolg sind die Steelers ihrer Favoritenrolle in Jacksonville gerecht geworden und mit einem 10-0-Record zurück nach Pennsylvania geflogen.

Nun wartet in wenigen Tagen zu Thanksgiving eine am Papier weitaus schwierigere Aufgabe – gegen ein angeschlagenes Ravens-Team.

Davor aber ist’s an der Zeit festzustellen, was Black and Gold bei den Jags gut gelang bzw. was vielleicht ausbaufähig ist.

Das Positive

Chase Claypool sorgte im 10. Spiel seiner noch so jungen Karriere mit einem schönen Catch in der Endzone für seinen 10. Touchdown.

Zwar fanden so einige Deep Shots von Ben Roethlisberger Richtung Claypool nicht ihr Ziel – das nehmen die Steelers jedoch in Kopf. Es ist Teil des Konzepts, die Defense auch tief zu beschäftigen, indem man Claypool auf Go-Routes entlang der Seitenlinie schickt. Der junge Receiver aus Kanada hat immerhin auch schon so einige Interference-Penalties in diesen Situationen gezogen und beweist regelmäßig, welch wichtiger Baustein er für diese Offense sein kann.

Jacksonville away war ein herausragend feines Spiel für die Starting Safeties der Steelers. Sowohl Minkah Fitzpatrick wie auch Terrell Edmunds konnte sich je zwei Interceptions von Jags-QB Luton fischen – mit teils bemerkenswert athletischen Plays.

Obwohl die Rushing-Nummern gar nicht so übel aussahen bei Pittsburgh (ich komme gleich darauf zu sprechen), lief der Erfolg der Offense einmal mehr über und durch Big Ben Roethlisberger. Der Veteran-QB warf Touchdown-Pässe auf Claypool und TE Eric Ebron und hatte auch sonst wenig Mühe mit den Gegenmitteln der Jaguars.

Ja, Roethlisberger warf spät im zweiten Quarter eine Interception. Allerdings waren die Steelers zu diesem Zeitpunkt so komfortabel vorne und dem Gegner so klar überlegen, dass ich Verständnis für dieses Gamble für einen schnellen Score vor der Pause habe.

Das Nicht-so-Positive

Die Rushing-Zahlen waren besser als in den letzten Spielen und vor allem James Conner hatte am Papier ein besseres Game als wohl im gesamten letzten Monat. Nur habe ich trotzdem auch von ihm wieder nur zwei, drei Läufe von Relevanz gesehen (zugegebenermaßen schöne Gains um die 15, 20 Yards). Die andere Rushes endeten wieder zu oft brodlos in der Range von -2 bis 2 Yards.

Von Viking Dalvin Cook oder Titan Derrick Henry (beide ehrlicherweise größere Talente als Conner) sieht man einfach eine andere Form von Rushen. Diese Backs, die das gewisse Etwas mitbringen, powern sich auch bei Busted Plays noch zusätzlich zwei, drei Yards irgendwie nach vorne – Yards, die ihren Teams bei 3rd Down dann gut anstehen. Auch bei den Steelers nähme ich so viel lieber konstant drei oder vier Yards von den Backs als zweimal im Game 20 – und sonst faktisch nichts.

That said: Von Conners Backups Benny Snell und Anthony McFarland hat man sich definitiv vor der Saison schon ein bisschen was erhofft und erwartet. Beide wirken aktuell aber nicht in Form bzw. ihren Duties vollauf gewachsen.

Und das nicht konstant abrufbare Laufspiel bringt auch mit sich, dass die Steelers darauf als Closer nicht vertrauen: Selbst bei hoher Führung Anfang Quarter Nummer 4 in Jacksonville waren viele Dink-and-Dunk-Pässe dabei, anstatt klassisch einen Running Back zu pounden und die Uhr runterzuspielen. Irgendwie strange. Auch weil die Fly-Sweep-Action, also das schnelle Queren von Ballträgern hinter der Line of Scrimmage, das die Steelers seit einigen Spielen probieren, so gar nicht mehr funktioniert.

Sonstiges

Ich möchte aber nicht zu hart klingen nach einem 24-Punkte-Differenz-Win. Pittsburgh hat einen Lesser Opponent ernst genommen, seine Stärken ausgespielt und gewonnen. Das alleine hat mir schon Freude bereitet.

Zwei “neutrale” Erkenntnisse, die ich noch ins Treffen führen möchte: Die O-Line passblockt heuer wirklich gut und hält ihren QB meist sauber. Aber immer, wenn Big Ben bei einem Hit oder gar Sack hart aufschlägt, halte ich gefühlt den Atem an. Roethlisberger wirkt da schon gläsern und anfällig, sich zu verletzen, hält sich meistens auch irgendein Körperteil nach solch einem rüden Takedown. Ich möge es freilich nicht verschreien – möge er stattdessen noch seltener gesackt werden.

Und: Ich bin froh, dass die Receiver-Group der Steelers in der Breite so gut aufgestellt ist. Ganz einfach, weil jeder ersetzbar scheint und ein Ausfall Kompensation durch einen ähnlich starken Mann verspricht.

Aber ein kleines bisschen fehlen mir diese richtig fetten Yards-afte-the-Catch Big Plays, die ein Antonio Brown noch versprochen hat. Klar, AB war – nimmt man nur sein sportliches Talent her – ein spezieller Spieler. Aber gerade die Fähigkeit, z.B. einen dreckigen WR-Screen in einen 52-Yard-Touchdown zu verwandeln, würde ich mir von den aktuellen Wide Receivern auch ein bisschen klarer wünschen. Okay, jetzt sind wir wieder bei Nörgeln auf hohem Niveau angekommen.

Ausblick

In Week 12 warten die Ravens, die am Wochenbeginn mehrere Spieler auf die COVID-Liste setzen mussten, die für den Showdown am Heinz Field ausfallen.

Es wartet also ein (nach der Baltimore-Heimniederlage gegen Tennessee vom Sonntag) angeschlagener Gegner, der aus dem Playoff-Picture gerutscht ist und in Pittsburgh unbedingt was mitnehmen sollte.

Wenn die Ravens desperate sind, spielen sie oft den besten Brand ihres Footballs. Und ein Gäste-Team, das alles zu geben bereit ist, erwarte ich auch für den Donnerstag. Baltimore weiß, dass man bei einer Niederlage bis zum letzten Spieltag der Regular Season um die Postseason wird streiten müssen. Die Steelers wissen, dass sie bei einem Sieg die AFC North fast sicher in der Tasche haben. Es wird ein immens toughes One-Score-Game – und ich tippe wieder auf Baltimore.

24-21 Ravens

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Gerade wenn es gut läuft, sollte man Kritik äußern können. Was auch kein negativen Aspekt hat, weil niemand (aufgrund der positiven Ergebnisse) „am Boden liegt“.
    Mir persönlich macht das unproduktive Laufspiel ziemlich Kopfschmerzen…vor allem in Hinblick auf mögliche Playoff-Spiele ist man einfach zu ausrechenbar und man kann Spiele im Ballbesitz nicht derbe in die Länge ziehen…also völlig untypisch für eine Steelers-Mannschaft. Hier muss dringend was passieren, heißt aktuell improvisieren (Coaching) und bei der nächsten Draft diese Teamschwäche ausmerzen. Hoffen wir auf das Beste!!

  2. Gerade bei schlechtem Wetter oder wenn die gegnerische Secondary mal eine Spielhälfte lang nichts zulässt, sollte ein Plan B etablierbar sein. Und hartes, aber effektives Laufspiel war immer auch der Steeler-Way. Wir hoffen aufs Beste…

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