Pleite verletzungsgebeutelter Steelers endet im Skandal

Pleite verletzungsgebeutelter Steelers endet im Skandal
Copyright Brook-Ward

Ich musste mich erst einmal sammeln nach dieser Partie. Das hat weniger damit zu tun, dass die Steelers in Cleveland 7:21 verloren, sondern damit, was am Ende des Spiels passierte. Auch auf die Verletzungen ist natürlich einzugehen, spielten sie doch freilich eine Hauptrolle in diesem Game.

Ich möchte auch nicht – wie sonst bisweilen – das Geschehen, wie ich es beobachtet habe, chronologisch abarbeiten. Der Ansatz muss heute ein anderer sein.

Denn was haben wir gesehen? Wir haben ein Spiel gesehen, in dem die Steelers früh bis mittelfristig on Offense heillos verloren waren, weil sie Key-Player durch Verletzungen verloren oder sie ihnen durch brutale Aktionen aus dem Contest geknockt wurden. Irgendwann war ein Stadium erreicht, wo klar zu sehen war, dass Mason Rudolphs Restpersonal (und auch seine Tagesform) keinesfalls ausreichen werden, um den Abend siegreich zu gestalten: vier Interceptions und das völlig Fehlen von jedwedem dynamischen Big Play sind Belege des oben Genannten.

Drei Skillposition-Standouts down

Die Steelers verloren ihren RB 1, ihren WR 1 und ihren WR 2 zu Zeitpunkten, als man zwar nicht gut gestartet, ein Sieg aber noch in Griffweite war. Ohne Conner, Smith-Schuster und Diontae Johnson waren den Steelers jedoch für eine Aufholjagd die Hände hoffnungslos gebunden.

Und jetzt werfe ich ein zweites Mal die Frage auf: Was haben wir gesehen? Denn eigentlich geht’s mir um was anderes, das für mich gestern schonungslos und offenkundig zu Tage trat – und zu diesem Ende geführt hat mit einem Skandal, der seinesgleichen sucht.

Eine Schlacht hatte ich erwartet, das habe ich im letzten Artikel geschrieben. Und eine Schlacht ist’s auch geworden.

Antipathie schlägt voll zu und durch

Die Browns hatten die Steelers zuletzt 2014 geschlagen und es ist gestern sichtbar geworden, welcher Frust und Hass sich auf Seiten Clevelands gegenüber Pittsburgh aufgestaut hat. Das Minderwertigkeitsgefühl, das über Jahre gewachsen und gewachsen ist, hat sich gestern entladen.

Damit meine ich auch das Trash Talken von gefühlt jedem zweiten Browns-Player nach jedem für Cleveland auch nur halbwegs positiven Play. Die überbordende Aggressivität war greifbar, Cleveland hatte sich heiß gemacht für dieses Game gegen den so verhassten Rivalen.

Mehrmals versuchten Browns-Secondary-Player Steelers-Receiver mit Hits gegen den Kopf aus dem Spiel zu nehmen. Ich glaube, dass das entweder Kalkül war oder so in Kauf genommen wurde vom Coaching Staff. Jedenfalls unterstelle ich Absicht. Respekt an die Refs, dass sie Safety Damarious Randall nach einem dreckigen Foul dieser Güteklasse (gegen Johnson, der nicht mehr weiterspielen konnte) ausgeschlossen haben. Randall grinste direkt nach seinem Hit, als hätte er Gefordertes vollbracht. Diese Sachen sind also ganz sicher nicht nur “einfach so” passiert.

Und so kam es, wie es kommen musste. Die Steelers waren quasi ohne Offense auf der Verliererstraße und frustriert, die Browns ohnehin heiß.

Eine Aktion voller Hass

Acht Sekunden vor dem Ende riss DE Myles Garrett Steelers-QB Mason Rudolph, der am Boden lag, den Helm vom Kopf und schlug ihm mit diesem mit voller Kraft ins Gesicht.

Ich schaue schon eine Weile Football, aber ich glaube, dass ich noch kein schmutzigeres, schäbigeres Play auf einem NFL Field gesehen habe als dieses. Myles Garrett MUSS von der NFL für sein Verhalten die restliche Saison 2019 gesperrt werden. Seine Geldstrafe muss ein Exempel darstellen.

Dass Center Maurkice Pouncey seinem Quarterback zu Hilfe kam nach dieser Wahnsinnstat, ehrt ihn. Die Art und Weise, wie er intervenierte – mit Schlägen und Tritten gegen Garrett – wird aber auch für Pouncey eine saftige Strafe bereithalten.

NFL muss nun Strafmaß festsetzen

Die Liga-Offiziellen sollten sich aber vor Augen führen, wer dieses hässliche Ende, das frei Haus in alle amerikanischen Haushalte übertragen wurde, gestartet hatte: Das war Garrett und nicht Pouncey. Pouncey hat reagiert, Garrett konnte seinen Frust und Hass, der sich in seinen Steelers-Games wahrscheinlich sukzessive aufgestaut hat, nicht mehr bändigen.

Meine These ist, dass ein in übertriebenem Maße aufgestacheltes Football-Team gestern ein Statement abgeben wollte. Und dieses Statement ist aus dem Ruder gelaufen.

Sportlich war der Sieg der Browns erwartbar und folgerichtig – sie hatten nach den Verletzungen bei Pittsburgh schlicht mehr Qualität am Feld für das Gros des Spiels.

Bleiben werden aber andere Bilder. Und: Mir schwant Übles für das Rückspiel am 1. Dezember in Pittsburgh (auch wenn es mit quasi 100-prozentiger Sicherheit ohne Garrett in Szene gehen wird).


Steeler of the Week

Javon Hargrave

Hargrave verzeichnete von seiner Position als Nose Tackle aus neun Tackles, zwei davon for Loss. Er sorgte maßgeblich dafür, dass die Browns zwar für über 100 Yards rushten, dafür aber auch jede Menge Carries benötigten und nur auf einen Rush-Average von 3.0 Yards per Versuch kamen.

Man hätte statt Hargrave sicher auch einen anderen Defender hier hinschreiben können. An der Defense lag’s nicht, dass es so kam, wie es kam. Zwar war diesmal kein Takeaway dabei, aber die Unit spielte eine in weiten Zügen solide Partie.


Wo die Steelers diese Woche ansetzen müssen:

Zunächst gilt es, nach dieser Enttäuschung körperlich zu regenerieren und über die lange Woche möglichst viele Kräfte fit zu bekommen. Weitere Punkte sind:

  • Die Steelers kassieren zu viele Holding-Strafen. Vor allem Tackle Al Villanueva muss sich da an der Nase nehmen.

  • Hut ab vor der Leistungssteigerung von Punter Jordan Berry. Ich hab ihn oft kritisiert und seine Ablöse gefordert, aber 2019 puntet der Australier richtig, richtig gut.

  • Das Laufspiel war wieder – vor und nach Conners Verletzung – kein Faktor. Und mir gehen langsam die Ansätze aus, um es zu verbessern. Dass FB Roosevelt Nix auf IR gelandet ist, hilft sicher nicht. RB Jaylen Samuels ist zu wenig durchschlagskräftig. Vielleicht kann Bennie Snell, wenn wieder fit, das Ruder herumreißen?

  • Dass Mason Rudolph nicht rusht, macht mich ungehalten. Gestern waren bei 2nd and 24 wichtige Yards drinnen, die billig zu haben gewesen wären und das Team näher an die Field-Goal-Range herangebracht hätten. Er hat sie sich wieder nicht geschnappt.

  • Die Steelers sind so oft 3rd and short und 4rd and short nicht gewachsen – und converten nicht –, dass es mich schon desillusioniert zurücklässt. Die Offense kann sich nicht immer auf Takeaways der Defense verlassen! Sie wird’s angehen müssen, bei den Money Downs endlich konstant mehr zu reißen.

photo credit: Brook-Ward <a href=”http://www.flickr.com/photos/57915000@N02/15161011566″>Touchdown That Wasn’t</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/”>(license)</a>

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