“Opt-outs”: NFL vor der sportlichen Farce?

“Opt-outs”: NFL vor der sportlichen Farce?
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Die NFL hat ihren Spielern angesichts der noch nie dagewesenen Corona-Umstände erlaubt, ohne Angabe von Gründen aus dieser Spielzeit auszusteigen, ihren Vertrag (der erst in der 2021er Season wieder schlagend wird) damit auf Eis zu legen und trotzdem (mit weniger Geld natürlich) finanziell abgesichert zu sein.

Davon machen auch immer mehr Akteure Gebrauch. Ich möchte jetzt gar nicht allzu sehr moralisch bewerten, wie richtig/unrichtig oder wünschenswert der Fallout dieses Entgegenkommens der Liga ist. Rein sportlich scheint es mir aber für eine Ungleichgewichtung zu sorgen und damit problematische Folgen mit sich zu bringen.

Diverse Aussteiger haben sich deklariert

Einige Teams sind bereits echter Stars verlustig geworden: DT Eddie Goldman (Bears), LB Dont’a Hightower (Patriots) und LB C.J. Mosley (Jets) werden die Spielzeit nicht bestreiten. Auch andere Starter – ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgelistet – werden 2020 nicht spielen: DT Star Lotulelei (Bills), T Ja’Wuan James (Broncos), G Laurent Duvernay-Tardif (Chiefs), S Patrick Chung (Patriots) oder T Marcus Cannon (ebenfalls Patriots).

Die New England Patriots, von der neuen Regelung am heftigsten getroffen, müssen (je nach Zählweise) vier bis fünf ihrer 22 Starter in Defense und Offense zusammengerechnet für die nächste Season ersetzen.

Und genau aufgrund solcher Häufungen und Tendenzen, und weil damit zu rechnen ist, dass es fortwährend weitere „Opt-outs“ geben wird, sind wir bei der Frage angekommen, wann der Trend für die Integrität der NFL und des sportlichen Wettkampfs gefährdend werden könnte.

Die Frage, was sinnvoll ist

Diese Season, die dem leidigen Corona-Virus nicht ausweichen kann, geht neue Wege, um überhaupt stattfinden zu können – soweit war das weithin schon vor Wochen abzusehen. Es gibt, soweit es meinen Informationsstand betrifft, nur noch vier Franchises (Falcons, Chargers, Buccaneers und Steelers), bei denen bisher überhaupt kein Spieler von seinem Rücktrittsrecht für 2020 Gebrauch gemacht hat.

Die Frage ist einfach, wem geholfen ist, wenn etwa in Week 2 ein Team mit acht fehlenden Startern möglicherweise gegen eines mit einem fehlenden Starter antreten muss. Ist das sportlich dann noch interessant, wertig und repräsentativ? Oder – provokante These – ist es überhaupt nicht sinnvoll, eine Season 2020 zu starten, weil einfach zu viele Akteure Bedenken haben bzw. sich unter der Saison anstecken könnten o.ä.?

Ebendas ist nämlich ein weiteres Damoklesschwert, das über der NFL hängt. Denn selbst wenn man die „Opt-outs“ mal außen vor lässt: Was passiert, wenn sich während eines Donnerstagstrainings vor Week 7 plötzlich nach einem Test herausstellt, dass 10 Spieler zwar keine Symptome zeigen, aber allesamt coronapositiv sind? Muss die betroffene Mannschaft dann den 53-Mann-Roster trotzdem vor dem Matchday auffüllen, um antreten zu können? Oder müssen alle in Quarantäne? Oder wird das nahende Spiel verschoben, obwohl in der NFL (es ist ja nur eine Bye Week pro Team in der Regular Season vorgesehen) kaum Möglichkeiten dafür geboten sind?

Wie wird der Corona-Champ bewertet werden?

Und: Wird der Sieger von Super Bowl 55 in die Riege der großen Teams Eingang finden, denen Respekt und Anerkennung für ihren Titelgewinn zuteil wurde? Oder ist nicht eh vorgezeichnet, dass, egal, wer das Rennen machen wird, dieser Titelträger dann als „Corona-Champ“ firmieren wird, der „ja nur gewinnen konnte, weil X andere Teams nicht konkurrenzfähig waren in dem Jahr“?

Man merkt: Ich brauche mutmaßlich noch so meine Zeit, um das Glas für die im Herbst beginnenden Spiele als halbvoll zu sehen. Momentan dominieren noch Zweifel, Skepis und trübe Gedanken vor dem Start der Saison.

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