In your Face! Steelers-Revenge an Browns

In your Face! Steelers-Revenge an Browns
Copyright Brook-Ward

Über zwei Wochen lang, nach den Vorfällen vom Hinspiel, haben viele dieses Spiel herbeigesehnt und gleichzeitig gefürchtet. Ausgegangen ist alles gestern mit einem Sieg des Willens und der Leidenschaft. Den Steelers gelang es, Cleveland 20:13 in die Schranken zu weisen.

Die Energie am Heinz Field war hoch und sofort spürbar. Die Steelers kamen aber nicht gut ins Spiel und ließen die Browns 0:10 davonziehen, was den Publikumslärm zunächst etwas drosselte.

Gäste mit besserem Beginn

Der erste (und auch einzige) Touchdown der Browns war ein schöner Spielzug über die Mitte, die Steelers-Defense war gegen Kareem Hunt, der seine Route aus dem Backfield heraus gelaufen war, ausmanövriert.

Auffällig war, dass die Steelers-Offense über die ersten eineinhalb Viertel quasi nicht vorhanden war, weil es die Browns verstanden, ihre Drives über Laufspiel sehr lange zu ziehen und die Steelers-Offense rasch punten musste.

Offensiver Befreiungsschlag für die von QB Devlin “Duck” Hodges angeführte Offense waren zwei Big Plays auf WR James Washington, der zunächst einen tollen Catch an der linken Sideline fing und dann einen noch tolleren – trotz Interference gegen ihn – in der Endzone zum 10:10-Zwischen- und Pausenstand sicherte.

Pass-Rush übernimmt das Kommando

Kurz vor der Pause verletzte sich Browns-QB etwas an der Hand, es war über die Halbzeit hinweg unklar, ob er würde weitermachen können. Mayfield kam dann sehr wohl zurück, seine Leistung in Hälfte zwei war jedoch nicht gut. Ob es mit einer eventuellen Beeinträchtigung wegen einer Verletzung zu tun hatte, ist Spekulation.

Dass Mayfield und die anderen Stars der Browns-Offense nach ihrer starken Anfangsphase aber keinen Stich mehr machten, war primär der Steelers-Defense geschuldet, die kollektiv einen feinen Tag erwischte. Der Druck auf den Quarterback war stets gegeben, vor allem die Mitte der O-Line Clevelands hatte Riesenprobleme gegen Pittsburghs Pass Rusher.

Die Steelers nahmen das Heft immer mehr in die Hand, gingen durch Benny Snells ersten Karriere-Touchdown in Front und erhöhten nach einem Sack-Forced-Fumble von Bud Dupree sodann auf 20:10.

Hodges im Großen und Ganzen gut

Eine Portion Genugtuung habe ich auch verspürt, als Devlin Hodges bei einem 3rd and 5+ die Man-to-man-Coverage erkannt, sich seinen Weg aus der Pocket bahnte und locker zum First Down rushte. Immer wieder habe ich diese Weitsicht von Mason Rudolph bei dessen Starts eingefordert. Hodges zeigte bis auf eine hässliche Interception (nach offenkundigem Missverständnis mit WR Diontae Johnson) nichts, weswegen er nächste Woche in Arizona nicht wieder starten sollte.

Enorm wichtig war, dass Pittsburgh die Browns nach der Hodges-Interception nicht scoren ließ, obwohl deren Drive an der gegnerischen 30  begann. Auch deswegen sollte der Vorsprung Pittsburghs nach der Pause nie unter die 7-Punkte-Marke fallen, die ein TD mit Extrapoint wert ist.

Guard David DeCastro spielte ein starkes Spiel (endlich in der Güteklasse, die ich von einem Pro Bowler auch erwarte) und hatte gewichtigen Anteil daran, dass die Steelers über den Lauf immer wieder zu First Downs kamen und so wichtige Zeit von der Uhr nahmen. Ein Carry von Benny Snell über mehr als zehn Yards von der eigenen 0,5-Yard-Line blieb besonders in Erinnerung. Es strahlte die Form von Dominanz und Kraft aus, die ich mir vom Steelers-Running-Game konstant erhoffe.

Mehr Nervenkitzel als notwendig

Jedenfalls wollten es die Steelers am Ende nochmals spannend machen. Anstatt bei 20:13 die Timeout-losen Browns durch drei mal Laufspiel mit nur mehr 70 Sekunden auf der Uhr an den Ball kommen zu lassen, passte man bei eigenem Ballbesitz bei 3rd Down. Ein Fehler von Duck Hodges – denn der Ball flog incomplete. Hodges hätte sogar viel eher den Sack nehmen sollen, um die Uhr jedenfalls am Laufen zu halten.

Auch der folgende Punt von Jordan Berry war nicht optimal und geriet zu weit (und in die Endzone). So durften die Browns mit etwa 1 Minute 45 auf der Uhr von der eigenen 20 versuchen, auf den Ausgleich zu gehen.

Die Unzulänglichkeiten sollten den Gastgebern dennoch nicht auf den Kopf fallen. Der Druck auf Mayfield wurde von der selbstbewussten Defense weiter hochgehalten, der Browns-QB ließ sich zu einem unsauberen und zu weiten Pass hinreißen. Und Corner Joe Haden beendete mit einer Interception das Game zugunsten der Truppe von Mike Tomlin.


Steeler of the Week

Joe Haden

An der Stelle hätte man wohl mehrere Steelers-Defender oder auch WR James Washington auswählen können, aber die Wahl fiel auf Haden – auch der Symbolik wegen.

Joe Haden ist schon lange Teil der Browns-Steelers-Rivalry, die lange nur von Seiten der Browns als solche gesehen wurde (was sich seit dem Myles-Garrett-Skandal aber geändert hat). Jedenfalls wurde der Corner einst von Cleveland knapp vor der Season vor die Tür gesetzt und wechselte zum Erzrivalen. Er hat es den Leuten, die diese Entscheidung in Ohio damals getroffen haben, nun schmerzvoll gezeigt.

Haden hätte, das betonte er in Interviews vor und nach dem Spiel ehrlich und erneut, schon mehrere Interceptions in den letzten Spielen fangen müssen. Dass er dies nun genau gegen sein Ex-Team nachholte, ist für ihn umso zufriedenstellender.


Wo die Steelers diese Woche ansetzen müssen:

  • Vorweg: Ich möchte mich eigentlich nicht allzu oft über die Refs beschweren – aber die Crew von Head Referee Clay Martin hat das Spiel gestern richtig schwach geleitet. Sie hat bisweilen viel zu lange für Entscheidungen gebraucht, die dann noch dazu oft völlig unverständlich und eigentlich zur Gänze gegen Pittsburgh ausgelegt wurden. Bemerkenswert, dass die Steelers gestern quasi einen weiteren Gegner neben den Browns niederringen konnten.

  • Das schlechte Officiating brachte Wirbel und Ärger in eine Partie, die sonst über weite Teile fair und umsichtig von den Teams geführt wurde. Respekt an beide Mannschaften, dass sie ihre Emotionen nach dem Hinspiel-Vorfall im Griff hatten.

  • Die Steelers kassierten wieder eine Fülle an False-Start-Penalties. Solche Pre-Snap-Strafen sind ärgerlich und in dieser Häufung nicht zu akzeptieren, auch wenn die Offense ständig neu zusammengesetzt aufs Feld laufen muss, wie es eben bei Pittsburgh 2019 der Fall ist.

  • Allein zwei False Starts verursachte TE Vance McDonald. Mit einem richtig wichtigen Catch on 3rd Down am Ende des Spiels konnte er seine Schuld aber immerhin einigermaßen wiedergutmachen.

  • RB Benny Snell wird vielerorts gelobt für seine Leistungen in den letzten Spielen, ich würde die Euphorie aber noch ein bisschen drosseln wollen. Snell blieb gestern unter 4 Yards/Carry und war nicht in der Nähe von 100 Yards rushing. Klar, es waren einige tolle Läufe dabei und er hat gescort, trotzdem geht da noch mehr bei manchen Ballberührungen.

  • LB Devin Bush hat klare Schwächen in Coverage. Für meine Begriffe lässt er zu oft in Zone Coverage hinter sich Leute laufen, anstatt sich intuitiv ein wenig tiefer in der Zone fallen zu lassen. Er ist dann überspielt und kann dem Passempfänger nur hinterherlaufen. Hier muss der Rookie ansetzen.

  • Und: Jaylen Samuels mag ein hohes Standing bei den Steelers haben und solide blocken, wenn er es bei manchen Passspielzügen muss. Für mich ist er aber – trotz seiner Auftritte in der Wildcard – eigentlich kein NFL-würdiges Talent. Samuels verbucht in der laufenden Season unter drei Yards pro Carry. Und das ist unumwunden eigentlich eine Horrormarke.

photo credit: Brook-Ward <a href=”http://www.flickr.com/photos/57915000@N02/32868655184″>Tomlin</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a><a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/”>(license)</a>

Menü schließen