Flashback 2009: eine legendäre Steelers-Defense

Flashback 2009: eine legendäre Steelers-Defense
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In diesem Artikel lasse ich den Blick ein wenig in die Vergangenheit schweifen. Aus dem einfachen Grund, weil mich hart und gekonnt exekutierter Defensiv-Football bis heute fasziniert – und dies deshalb tut, weil ich mit ihm “quasi groß geworden bin”.

Ich hab mir in den letzten Jahren oftmals die Frage gestellt, wie nah ein aktueller Steelers- Roster wohl dran ist, um an die Dominanz “von damals” anzuknüpfen. Ob das sehr nah sein könnte, nie mehr erreicht werden kann oder unter den heutigen Maßgaben (Regelauslegung viel klarer Richtung Offense) gar nicht mehr möglich ist.

Zur Erinnerung: Vor zehn Jahren (2009) hatte die Starting Defense der Steelers dieses Gesicht:
LDE   Aaron Smith
NT   Casey Hampton
RDE   Brett Keisel
LOLB   LaMarr Woodley
LILB   James Farrior
RILB   Lawrence Timmons
ROLB   James Harrison
LCB   Ike Taylor
SS   Troy Polamalu
FS   Ryan Clark
RCB   William Gay

Wenn ich die Namen in dieser Auflistung nur lese, denke ich schon an mehrere Spiele zurück, die mir wegen dieser Defense in Erinnerung geblieben sind. Und ich muss ein wenig grinsen dabei, weil es fast nur positive Erinnerungen sind.

Ums klar zu sagen: Diese Defense ist wohl die beste, die ich persönlich je spielen gesehen habe. Der ganze Zauber ist für mich in den Playoffs im Jänner 2012 zu Ende gegangen, als die Steelers mit vielen dieser Namen bei den Broncos und QB Tim Tebow in der Wildcard Round unterlegen sind. Fortan war der defensive Nimbus dahin und die Steelers-Franchise ist in Richtung einer anderen Identität gewachsen. Aber was davor war, war einfach episch.

Die Leistung Bill Cowhers?

Oft habe ich Einschätzungen gehört, dass die dominante Steelers-Defense von Mitte der Nuller-Jahre bis Anfang der 2010er-Jahre noch ausschließlich Head Coach Bill Cowher zu verdanken sei und HC Mike Tomlin damit nichts zu tun habe, er habe sie nur übernommen.

Damit tut man Tomlin aber sicher Unrecht. Denn klar, auf Key-Player wie ILB James Farrior, ein Team Leader und furioser Tackler, oder Bald-Hall-of-Famer S Troy Polamalu konnte er aufbauen. Aber etwa die Linebacker Timmons und Woodley waren zum Beispiel Treffer im Draft und beide sehr früh sehr wichtig für diese Defense. Und beide wurden unter Tomlin gedraftet.

Cornerbacks/Laufverteidigung damals

Ironischerweise war damals die schwächste Position einer sonst extrem starken Defense die Cornerback-Position. Ironisch deshalb, weil man behaupten könnte, dass dies bei den Steelers in den letzten Jahren (in wesentlich weniger dominanten Defenses) auch der Fall war.

Von CB Ike Taylor habe ich persönlich jedenfalls nicht die Welt gehalten und der zweite Cornerback-Spot war bisweilen ein wenig flexibel besetzt damals. Vor William Gay hatte ihn Deshea Townsend inne, auch andere bekamen ihre Chance.

Aber die Corner damals mussten auch nicht glänzen, weil die anderen defensiven Mannschaftsteile so gut waren. In der Regular Season 2010 haben die Steelers im Schnitt 61 Rushing Yards zugelassen pro Game; der Zweitplatzierte in dieser Statistik übrigens fast 90 (Bears).

NT Casey Hampton war ein unüberwindbarer Anker in der Mitte der Line, dazu waren die Ends Keisel und vor allem Aaron Smith stark unterschätzt. Und hatten die Steelers den Gegner dort, wo sie ihn haben wollten, nämlich den Ball passend, weil mit Laufspiel nichts ging, hatte Pittsburgh das beste Pass-Rushing-Duo der damaligen Ära mit OLB James Harrison und OLB LaMarr Woodley zur Verfügung. Harrison war 2008/09, in der Season des letztens Super-Bowl-Sieges, sogar Defensive MVP der NFL.

Mein persönlicher Hero

Und einen kurzen Absatz muss ich natürlich ihm widmen: Wenn ich alles niederschreiben würde, was ich zu ihm sagen sollte, würde der Artikel viel zu lang werden. Niemals hat mich im American-Football-Sport ein Spieler mehr begeistert als Troy Polamalu, nie habe ich einen mehr gemocht. Harrison war vielleicht der Motor der damaligen Defense, aber Polamalu war ihr Gesicht.

Ein bescheidener, ruhiger Kerl, der aber für seinen unverwechselbaren Stil (zusammen mit seiner markanten Frisur wahrscheinlich) geliebt wurde. Polamalu war überall am Feld, Gameplanning gegen ihn war faktisch unmöglich. Und mit Interceptions, Sacks und anderen Big Plays hat er Coach Tomlin und Defensive Coordinator Dick LeBeau immer viel zurückgegeben für die Freiheiten, die sie ihm eingeräumt haben.

Ansatz eines Vergleichs mit heute

Es wäre von der aktuellen Steelers-Defense zu viel verlangt, würde man Leistungen wie damals einfordern. Die Pittsburgh-D der späten Nuller-Jahre hat von herausragendem Talent auf allen drei Ebenen gelebt: Line, Linebacker-Unit und Secondary. Und da spreche ich von NFL-Top-Talent und teilweise Leuten mit Legendenstatus.

Die Defense von 2019 hat jedenfalls einen ähnlichen Grundansatz, wie ihn Tomlin mit LeBeau damals schon verfolgt hat und wie er Pittsburgh gefühlt immer eigen sein wird. Etwas lapidar ausgedrückt: Exceptional Talent in der Front Seven soll den gegnerischen QB rushen und gegen den Lauf dichtmachen, in der Secondary hat man lange nicht auf die ganz hohen Draft Picks oder fancy Free-Agency-Einkäufe gesetzt. Mit u.a. S Minkah Fitzpatrick oder CB Steven Nelson agiert diese Unit 2019 aber besser als in den letzten Jahren.

Vor dieser Season waren aber immerhin von den letzten vier Steelers-First-Roundern im Draft zwei Stück Player für die Secondary (Burns und Edmunds). Die wirklichen Treffer hat Pittsburgh aber nach der großen Defensiv-Zeit in der Front Seven gelandet (Heyward, Shazier, Watt) – und jetzt via Trade mit Fitzpatrick.

Das Spiel hat sich weiterentwickelt, die Player in Schwarz und Gelb sind andere geworden. Und auch wenn das Durchschnittstalent der damaligen Ära unerreichbar zu bleiben scheint, ist die 2019er-Defense Pittsburghs aktuell mit so viel Substanz ausgestattet, um in den nächsten Jahren vielleicht zumindest ähnlich glanzvolle Zeiten mitgestalten zu können.

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