Errumpelter Sieg gegen Denver bringt Steelers auf 2-0

Errumpelter Sieg gegen Denver bringt Steelers auf 2-0
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Schließlich und endlich komme ich dazu, auf den Week-2-Win der Steelers gegen die Denver Broncos (26:21) ein bisschen näher einzugehen.

Vielleicht hatte es was Gutes, dass ich mit meiner Analyse nicht gleich begonnen habe. Unmittelbar nach dem Spiel nämlich stand ich der Leistung – trotz des Erfolges – recht kritisch gegenüber.

Offense

Die Offense von Pittsburgh war gegen die Broncos ohne Wenn und Aber (und auch wenn es die Zahlen nicht klar aussagen) sloppy unterwegs.

Ben Roethlisberger warf für zwei wirklich tolle Touchdowns, hatte aber auch – sicher durchaus seltsamem Playcalling geschuldet – Phasen in seinem Spiel, die nicht gut waren.

Die lange Weigerung, von kurzen, brodlosen Pässen abzugehen und einige Drops taten ihres dazu, dass die Offense einen Gegner nicht “wegspielte”, der aufgrund einiger Verletzungen schon geschlagen wirkte.

Vor allem mit seinem TD-Pass auf Chase Claypool gut sechs Minuten vor der Pause setzte Big Ben ein Highlight. Allerdings leistete sich der Quarterback im 3. Viertel eine hässliche Interception, die die Broncos ins Spiel zurückholte.

Solche vermeidbaren Turnover nimmt Roethlisberger ohne Not zu oft. Und ich sag’s ehrlich: Dieser Careless-Approach und dieses Forcen von Pässen auf gecoverte Receiver nervt mich schon lange. Wäre fein, ENDLICH mal wieder ein Steelers-Game ohne Turnover miterleben zu dürfen.

WR Diontae Johnson zeigte, wie schon in Week 1 bei den Giants, auffallend klar Licht und Schatten. Johnsons Dynamik und sein Push, sogar der WR1 der Steelers zu werden, sind unverkennbar. Das war nicht zuletzt auch im Special Team ersichtlich, als ein Punt-Return-TD Johnsons wegen einer Strafe zurückkam.

Allerdings ist Johnson auch immer für einen Lapsus (oder sogar mehrere) pro Game gut. So droppte er im 4. Quarter bei 4th Down einen Pass, was den Broncos den Ball bescherte und ihnen die Chance auf den Sieg eröffnete. Und bereits mit dem ersten Offensive Play fumbelte Johnson den Ball bei einem Laufspielzug hinter der Line of Scrimmage, was ein costly Turnover hätte sein können. Der junge Passempfänger muss noch mehr Konstanz in sein Spiel bringen.

Das Steelers-Laufspiel war gegen die Broncos nicht gut, was auch dazu beitrug, dass ein Game gegen einen unterlegenen Gegner viel zu lange knapp war. 

James Conner startete, grundelte aber, was leider fast die Regel bei ihm geworden ist, fast durchgehend bei drei Yards pro Carry herum das gesamte Game über. Im letzten Drive, als es darum ging, die Uhr auslaufen zu lassen, gelang ihm ein fetter Run über fast 60 Yards. Dieses eine Big Play schönt zwar Conners Stats, soll aber nicht drüber hinwegtäuschen, dass er zuvor wieder enttäuscht hatte.

RB Benny Snell, den ich für seine Week-1-Leistung noch gelobt hatte, bekam kaum Carries. Als er doch mal an der Reihe war, verlor er im 4. Viertel einen Fumble, was sich fast fatal gerächt hätte. Zwei Fumble in zwei Spielen werden dafür sorgen, dass Mike Tomlin und Coordinator Randy Fichtner die Carry-Anzahl für Snell in naher Zukunft nicht erhöhen werden.

Defense

Der Pass Rush und damit generell der Druck auf die Broncos-Quarterbacks waren gegen Denver von Pittsburghs Seite wieder sehr gut. Quarterbacks im Plural deshalb, weil Denver früh seinen Starter Drew Lock verlor, der nach einem Sack wegen einer Schulter-Verletzung nicht wiederkommen konnte.

Allerdings hatten die Steelers Locks Backup Jett Driskel nur bedingt im Griff. Driskel hielt Denver bis zum letzten Drive der Gäste mit einer realistischen Siegchance im Spiel. Und das kam für mich schon ein bisschen überraschend, weil ich nicht dachte, dass ein Backup diese am Papier sehr, sehr starke Steelers-D so konstant wird gefährden können.

Die Steelers haben aber auch on Defense einfach zu viele Aspekte nicht gut erledigt, um das Game sicher zu schaukeln.

Allen voran hat sich die D konstant Defensive-Pass-Interference-Strafen geleistet, bis es irgendwann nur noch zum Kopfschütteln war. Da hat es bei mehreren Defendern beim Timing der Tacklings gehapert, was den Broncos jeweils billige First Downs bescherte.

Solche Strafen sind Killer – und sie sind bisweilen bei 3rd and long vorgekommen, was die Angelegenheit noch ärgerlicher machte. Eine Roughing-the-Passer-Strafe gegen Mike Hilton fiel in dieselbe Kategorie “ärgerlich”. Das Team muss diese Art von Fahrlässigkeit zügig abstellen.

Das Game entschieden hat Safety Terrell Edmunds tief im 4. Quarter mit einem überragenden Sack bei 4th Down, der den Steelers den Ball zurückbrachte. Es war der siebente Quarterback-Takedown an diesem Tag für die Defense, der auch eine Interception durch Joe Haden und eine Fumble Recovery durch Hilton gelangen.

Die Produktion war also schwer in Ordnung. Allerdings bin ich der Auffassung, dass aktuelle Spitzenteams wie die Ravens nicht zwei Touchdown-Pässe von einem Backup kassieren. Die Steelers-D hat in der zweiten Hälfte ihren Anteil dran gehabt, dass das Game viel knapper war, als es möglich gewesen wäre.

Sonstiges/Fazit

Mike Tomlin war wieder mal bei Challenges schlecht unterwegs. Einmal challengte er nicht, als Driskel ein Fumble passiert war, der Ballbesitz für Black and Gold bedeutet hätte. Einmal tat er es doch, als es aussichtslos war.

Bei den Returnern allerdings wähne ich die Steelers sehr gut unterwegs im Jahr 2020. Ray-Ray McCloud im Kick-Return-Game hat es mir mit einigen gefährlichen Returns angetan. Und auch Diontae Johnson, dem, wie erwähnt, ein Punt-Return-Touchdown wegen Strafe zurückgecallt wurde, ist ein überaus gefährlicher Mann bei den Return-Duties.

Was mich nach Week 2 ein bisschen enttäuscht und nachdenklich stimmt: Wo ist bitte die versprochene Production der Tight Ends? Eric Ebron hatte hie und da einen Catch in den ersten zwei Wochen, von TE Vance McDonald war noch gar keine Produktion zu sehen. In diesem Rosterteil erwarte ich eine klare Steigerung, wenn die Season voranschreitet.

Um einen Strich unters Kapitel Denver zu machen: Ein Sieg ist’s geworden – und das ist dann schon auch das Wichtigste. Trotzdem muss ich ins Treffen führen, dass eine Steigerung gegen bessere Gegner unabdingbar ist, weil man sonst gegen die Big Guns nicht viel gewinnen wird.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Danke wieder für einen sehr ausführlichen Beitrag. Da ich das Spiel nicht sehen konnte, bin ich über eine derartige Berichterstattung dankbar- also weiter so!
    Und auch Danke für den Spruch aus meinem (Sport-Fan)Herzen: Diese Spielweise belastet mich schon seit Jahren, wahrscheinlich seit der letzten Super Bowl Teilnahme gegen die Packers, dass ein (gefühlt jedes) Steelers-Spiel ein Eiertanz oder ein Ritt auf der Rasierklinge ist. Souveränität ist kaum über die komplette Spielzeit sichtbar, und das, obwohl wir schon starke Steelers-Mannschaften auf dem Platz hatten.
    Kann nur nicht sagen, ob dieses (übertrieben gesagt) Larifari sich in den Köpfen vieler Spieler befindet und in die Gene für die nachfolgende Generation übergangen ist oder doch ein Coaching-Problem darstellt.

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