Die Steelers 20/21: was jetzt wirklich wichtig ist

Die Steelers 20/21: was jetzt wirklich wichtig ist
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Mit einem 11-0-Record im Rücken empfangen die Pittsburgh Steelers in Week 13 Washington. Die Null bei den erlittenen Niederlagen mag bei einigen Sympathisanten den Wunsch genährt haben, einer Perfect Season entgegenzuschreiten. Diese Gruppe verkennt aber, dass dies aufgrund mehrerer Faktoren nicht wichtig ist.

Viel, viel wichtiger – und das soll als Essenz dieses Artikels bleiben und ist der Steelers-Franchise sehr wohl bewusst – wird sein, dass Pittsburgh planerisch alles daran setzen muss, sich so auszurichten, um im Jänner zu Playoff-Beginn im Stretch Run den maximalen Erfolg mit bestmöglicher Form herausspielen zu können.

Eine 15-1- oder gar (ich glaube ganz und gar nicht daran) 16-0-Regular Season wäre ein Muster ohne Wert und eine Notiz für die Geschichtsbücher, wenn man im Jänner in der ersten oder zweiten Playoff-Runde ausscheidet.

Und ich hätte mich nicht dazu entschlossen, mit dem Artikel in diese Kerbe zu schlagen, wenn ich nicht genau davor Angst hätte. Dass die Steelers eine nette, erfolgreiche Geschichte der Regular Season werden könnten, um dann auszubrennen. Es gibt leider Indizien für diese These:

Die personelle Situation

Pittsburgh lebt eine “Next man up”-Kultur bei Ausfällen und Verletzungen – und das hat mir auch immer sehr gut gefallen. Weil es Vertrauen für Nachrücker vermittelt und keine Ausreden zulässt.

Allerdings, auch wenn ich jetzt im Feld der Ausflüchte bin, ist’s für einen Super-Bowl-Run Gift, einen Spieler wie OLB Bud Dupree zu verlieren, der mit Kreuzbandriss die restliche Season ausfallen wird und sein letztes Spiel in Black and Gold gespielt haben könnte.

Es wird sich zeigen, ob die Männer hinter ihm auf der Depth Chart, OLB Ola Adeniyi und OLB Alex Highsmith, die Dominanz der Front Seven ähnlich hochhalten werden können, wie es mit Dupree im Line-up der Fall war.

Früh in der Saison ist mit ILB Devin Bush schon ein Starter verloren gegangen, dessen Stärken gegen den Lauf und mit sicherem Tackling in der Folge vermisst wurden: Die Laufverteidigung hat ohne Bush klar abgebaut.

Dazu kamen verletzungsbedingte Ausfälle von OG David DeCastro, CB Mike Hilton oder NT Tyson Alualu. Oder die Listung von C Maurkice Pouncey oder DE Stephon Tuitt auf die COVID-Liste, die u.a. diesen beiden Spiele kostete.

Verletzungen und das Verlieren von Spielern für die ganze Season gehören zum Football dazu. Der Verlust von Dupree und Bush ist für Pittsburgh aber erheblich. Die verbliebenen Spieler on Defense werden ihre Topform im Dezember und Jänner brauchen, damit die D weiterhin dominanter Mannschaftsteil bleibt.

Die Erwartungshaltung von außen

Ja, die Steelers stehen bei einem unbeaten Record – und es ist sehr fein, dass es so gekommen ist. Ich als Fan schwanke zwischen Freude und Ehrerbietung über die vollbrachte Leistung und Besorgnis ob des Drucks, der sich – von der Öffentlichkeit gestreut – für die Steelers aufgebaut hat.

Immer davon zu lesen, wie viele Teams, die so spät in der Saison noch unbesiegt waren und dann in den Super Bowl kamen oder immer mitzubekommen, wie hoch die Steelers in Power Rankings gehandelt werden: Das verursacht mulmige Gefühle bei mir.

Unlängst habe ich auf einem US-Steelers-Blog eine Einschätzung gelesen, die ich sofort teilte und wiedergeben darf: “Die Steelers sind ein Top-5-Team der NFL aufgrund der Season, die sie spielen, aber sie haben zu viele Baustellen, um die Nummer 1 zu sein.”

Die Steelers müssen (und da seh ich sie bei Führungspersönlichkeit Mike Tomlin gut aufgehoben) ehrlich zu sich selbst sein bezüglich dem, was sie verbessern können. Und sie dürfen nicht den Fehler machen, sich im Licht des Augenblicks zu sonnen, nur weil sie freundliche Einschätzungen der Experten und Medien-Leute bekommen. Dafür waren einige Siege in der Vergangenheit einfach nicht überzeugend genug.

Die Form und der Restspielplan

Die Kansas City Chiefs haben (zwar ziemlich knapp, aber doch) die Broncos geschlagen und stehen aktuell, wie auch die Steelers, bei elf Siegen.

Und unumwunden sage ich: Aufgrund ihrer potenten Offense, die neben der Genialität von Patrick Mahomes auch über den Lauf exekutieren kann und dem Mehr an überzeugenden Auftritten gegenüber den Steelers, handle ich KC aktutell höher als Pittsburgh.

Mit einer Leistung wie in Dallas oder zu Hause gegen Denver oder Baltimore wird in den AFC-Playoffs gegen die Chiefs Endstation sein. Ja, damit würde man selbst die Bills, Titans oder Colts ziemlich sicher nicht besiegen.

Die Steelers stehen 11-0, sie wissen aber selbst – und ein grantiger Mike Tomlin hat das in einigen seiner letzten Interviews auch angedeutet -, dass sie den nächsten Gang, das gewisse Etwas, in ihrem Auftreten und ihrer Entwicklung finden müssen, um wirklich Contender zu sein und Großes zu erreichen.

Ich fordere auch das Mindset ein, nicht nur auf die Bye Week nach Week 17 zu schielen, sondern den Kampf im Kopf anzunehmen und vom harten Weg auszugehen. Um geistig gerüstet zu sein, falls es so kommen sollte. Grund dafür: Es könnte gut und gerne passieren, dass die Steelers, die u.a. noch in Buffalo, Cleveland und gegen die Colts antreten müssen, bis zu den Playoffs zwei oder drei Spiele verlieren und nicht der Einser Seed sind.

Dies wäre aber kein Beinbruch, verstünde man es, sein Spiel beisammen zu haben für den Zeitpunkt, wenn es dann wirklich zählt: für die Playoffs und most likely die Wildcard-Round.

Sollen die Chiefs ruhig die AFC gewinnen – die Steelers können trotzdem richtig giftiger Gegner sein – ja, sie können auch den großen Wurf schaffen und die Super Bowl erreichen. Dafür müssen aber einige Variablen neu kalibriert werden und alles so getimt werden, dass man on fire ist, wenn die richtig fetten Spiele kommen.

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