Conference Championships: Wer schafft’s in den Super Bowl?

Conference Championships: Wer schafft’s in den Super Bowl?
Copyright Timothe Lejeune

Die Final Four stehen fest. Wir stehen vor den letzten vier Games der Saison 2019/20. Im Februar schließt alles mit dem Super Bowl ab, davor gibt es heute die Conference Championship Games. Erfrischend finde ich, dass es diese vier Teams sind, die es diesmal so weit geschafft haben. Für alle vier sind Super-Bowl-Teilnahmen im Stile der Patriots nicht alltäglich, für jede dieser vier Franchises wäre ein Titel ein gewaltiges Ausrufezeichen.

Tennessee Titans @ Kansas City Chiefs

Hands down: Ich habe den Titans einen solchen Run nicht zugetraut. Ich habe zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass sie ein gefährliches Team sind, gut gecoacht noch dazu. Aber Playoff-Siege in Foxborough und Baltimore? Nein, davon bin ich nicht ausgegangen.

Unmittelbar nach dem Sieg gegen die Ravens habe ich mir gesagt: Jetzt hast du zweimal gegen Tennessee getippt und bist falsch gelegen – den Fehler solltest du kein drittes Mal machen. Aber dann kam der epische Auftritt der Chiefs gegen Houston, der meinen Blick auf dieses Game noch einmal verändert hat.

Kansas City hat nach einem miserablen ersten Quarter im Divisional Playoff on Offense gemacht, was es wollte. Die Kalkulation ist meinerseits nun eine recht einfache: Ich glaube nicht, dass die Defense der Titans sehr viel besser ist als jene der Texans. Und ich glaube daher nicht, dass die Gäste die Mittel haben werden, alle Waffen der Chiefs – und damit die Firepower – entscheidend zu neutralisieren.

Respekt vor der Formel Tennessees, die zuletzt zweimal siegbringend war: Derrick Henry pounden, so heftig es nur geht, die Verantwortung von den Schultern des Quarterbacks nehmen, wenn es geht. Zudem on Defense zwar Yards zulassen, jedoch im Vergleich dazu sehr wenige Punkte, weil die Redzone-Defense und das Turnover-Verhältnis stimmen. Diese Formel wird gegen Kansas City nicht mehr anzuwenden sein.

Zwar ist Derrick Henry ein klares Missmatch gegen die durchschnittliche KC-Defense, die während der Regular Season immer wieder Probleme gegen den Lauf hatte. Aber ich gehe davon aus, dass auch QB Ryan Tannehill mehr leisten wird müssen, weil die Chiefs ihre Freude mit der Titans-Defense haben werden. Vor allem Tennessee-Linebacker gegen TE Travis Kelce und die Chiefs-Running-Backs aus dem Backfield heraus wird ein Matchup sein, das QB Patrick Mahomes sollte exponieren können.

Vielleicht blende ich die Schwächen Kansas Citys, etwa die Laufverteidigung, unbeabsichtigt zu sehr aus. Aber niemand in dieser Liga fasziniert mich von seinem Skill Set her stärker als Chiefs-Passer Patrick Mahomes. Er wird den Sport auf Jahre prägend und maßgeblich mitgestalten, so er hoffentlich gesund bleibt.

Tennessee ist als Seed #6 in die Playoff gerutscht – und den Titans ist nichts als Respekt zu zollen für das danach Erreichte. Für die Chiefs ist aber jetzt einfach ihre Zeit gekommen. KC hat jahrelang recht locker die AFC West gewonnen, nur um dann im Playoff wenig auf die Kette zu bekommen. Head Coach Andy Reid ist ein Offense-Genie und eine Figur, die dem Game viel gegeben hat. Ich würde ihm den Super-Bowl-Einzug sehr gönnen und bin zuversichtlich, dass es so kommen wird.

Chiefs 31, Titans 20

 

 

Green Bay Packers @ San Francisco 49ers

Zwei Traditionsteam der NFC mit jeweils großer Fan-Base, ein richtig schönes Conference-Endspiel steht uns da in San Francisco bevor. Die Niners haben in der letzten Playoff-Runde die Vikings klar und überzeugend im Griff gehabt, der Sieg der Packers gegen die Seahawks war doch knapperer Natur.

Für so einige ist San Francisco auch heute der Favorit, und ich schließe mich dieser Riege an. Das Team von HC Kyle Shanahan hat Green Bay in der Regular Season deutlich geschlagen, spielt am Home Field und hat die dynamischere, potentere Offense sowie wohl auch die bessere Defense zur Verfügung.

Eigentlich habe ich das Gefühl, dass das Spiel nicht knapp, sondern überzeugend in Richtung San Francisco kippen wird. Die Packers sind über ihre Laufverteidigung verwundbar, die sich zum Teil shaky präsentierte. Und das spielt der Niners-Rushing-Attack um Breida, Coleman und Mostert in die Karten. Ich könnte mir vorstellen, dass Green Bay die Passempfänger der Gastgeber (u.a. um TE George Kittle) ganz gut im Griff haben wird, darauf ist die Secondary der Packers auch ausgelegt. Die D-Line der Gäste ist mir aber zu wenig durchschlagskräftig und dominant, um den Lauf der Niners entscheidend zu entschärfen.

Natürlich haben auch die Packers Asse im Ärmel (und die nötige Klasse), um das Spiel auf ihre Seite zu ziehen und mich zu überraschen. QB Aaron Rodgers, der 2011 schon einmal den Super Bowl (gegen die Steelers) gewinnen konnte, ist sicher ein Stück besser auf seiner Position, als es Niners-Starter Jimmy Garoppolo schon ist. Zudem besitzen die Packers einen ausgeglichenen Angriff, weil sie 2019 auch vermehrt auf den Run gesetzt haben – und dieser über Aaron Jones produktiv war (nicht zuletzt gegen Seattle in der Divisional Round).

Green Bay wird auf Blitz Packages und die Klasse seiner Top-Pass-Rusher Preston Smith und Za’Darius Smith setzen müssen, um Garoppolos Leben früh unkomfortabel zu gestalten in der Pocket und um ihm das Play-Action-Game zu nehmen. Denn rushen die Niners gut und hat Jimmy G die nötige Zeit, heißt’s Game Over für die Packers.

Aaron Rodgers hat gegen Seattle massiv die Connection mit WR Davante Adams gesucht – und dieses Matchup auch exponiert. Adams wird diesmal aber oft von Richard Sherman gecovert werden, einem Meister seines Fachs, der gegen die Vikings (wie die gesamte Niners-D) sehr überzeugte. Findet Rodgers Adams nicht regelmäßig, wird’s tricky für die Packers, weil die Qualität der Passcatcher hinter dem WR1 nachlässt. TE Jimmy Graham hat einen großen Namen, sein Leistungsvermögen und vor allem seine Geschwindigkeit haben aber nachgelassen. Wideouts wie Marquez Valdes-Scantling oder Geronimo Allison werden 49ers nicht ins Grübeln bringen mit ihren bisherigen Saisonleistungen.

Kurz und gut: Ich glaube, dass San Francisco über sein Laufspiel die Possessions zu kontrollieren im Stande sein wird und Green Bay über Play-Action-Pässe ein, zwei Mal für ein Big Play erwischen wird. Erarbeiten sich die Niners eine frühe Führung, sind sie fast unschlagbar. San Francisco wird seinen ersten Super-Bowl seit 2013 erreichen und darf von einem Neuaufleben seiner Dynasty aus den 80ern träumen.

49ers 35, Packers 17

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