0-3-Start: Und langsam gehen die Lichter aus

0-3-Start: Und langsam gehen die Lichter aus
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Steelers unterliegen bei den San Francisco 49ers mit 20:24.

Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel könnte die Season für Pittsburgh bald eher zur Vorbereitung auf 2020 dienen, denn auf den Kampf Richtung Playoffs ausgerichtet sein.

Ich gebe zu, ich habe mir das Analysieren und das mich mit den Steelers Beschäftigen während der Season freudvoller vorgestellt. Bei den 49ers hielten die Steelers eine Reihe an Takeaways lange im Spiel, am Ende verlor man aber als schwächeres Team die Partie – obwohl man es in den letzten Minuten selbst in der Hand hatte, an der Westküste den so wichtigen Sieg zu stibitzen.

Das Ganze im Detail:

Den Steelers gelang on Defense ein Start nach Maß: TJ Watt interceptete mit dem dritten Play from Scrimmage Niners-QB Jimmy Garoppolo, ein Boswell-Field-Goal war die Folge, nachdem es der Steelers-Offense nicht gelang, den Ball nach dem Takeaway zu bewegen.

DAS prägende Thema der ersten Hälfte waren zweifelsohne die Takeaways, vier an der Zahl, welche die Steelers den Niners abknöpfen konnten. TJ Watt und der erstmals startende neue Safety Minkah Fitzpatrick verzeichneten Interceptions. Abermals Fitzpatrick und LB Devin Bush schlugen Fumble frei.

Turnover verwässern Kräfteverhältnisse

Kurz interpretiert: Die 49ers waren jenes Team, das den Ball bewegen konnte, sie scheiterten aber vor der Pause an eigenen Fehlern und einem aggressivem Spielstil der Steelers, die Garoppolo und sämtliche Ballträger früh, hart und konsequent attackierten.

Der Steelers-Offense gelang vor der Pause praktisch kein einziges Play von Relevanz. QB Mason Rudolph war wegen dem Druck der Niners-Front-Seven, dem zu konservativen Playcalling von Coordinator Randy Fichtner und seinen eigenen oft ungenauen Würfen außer Stande, die Offense konstant am Feld zu halten.

Auch die schon in den ersten beiden Wochen virulenten Unzulänglichkeiten on 3rd Down waren genau in der Form wieder erkennbar. Hätte die Offense nicht von der Defense den Ball zweimal tief in der Hälfte San Francisco aufgelegt bekommen, hätten die Steelers vor der Pause definitiv keinen Punkt gemacht.

Was ist mit der O-Line und James Conner los?

Die Ausbeute des Running Games über das ganze Spiel hinweg war überaus ernüchternd und gerade in einer Zeit, in der man – ohne Franchise Quarterback – den Run etablieren MUSS, nicht Steelers-tauglich. James Conner wirkt wie ein anderer Spieler gegenüber seiner Vorjahres-Pro-Bowl-Version. Er bekommt aber offenkundig auch zu wenige Lücken freigeblockt von seiner Offensive Line, die im Laufspiel nicht dominant aufzutreten vermag.

Das Playcalling on 3rd Down war des Öfteren so schlecht gewählt, dass Conversions nicht mal annähernd erzielt werden konnten. Die Steelers waren oft nicht mal knapp dran, die notwendige Yardage zu erspielen. Klar, man hat keinen Veteran Passer mehr im Huddle, der hier (mit Audibles oder sonst was) mehr erreichen könnte. Aber diese Ausbeute sollte zu denken geben.

Die 49ers bewegten den Ball die meiste Zeit recht easy und mit großen Chunks – im Laufspiel noch mehr wie im Passspiel. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sie scoren würden, sollten sie endlich die Turnover abstellen.

Schlagabtausch nach der Pause

Genauso passierte es mit Beginn des dritten Viertels auch: Rudolph schenkte den Gastgebern mit einem unüberlegten Wurf eine leichte Interception, die Niners nutzen das Turnover sogleich aus und gingen 10:6 in Führung.

Die Steelers waren in nächsten Drive im Stande, sofort eine spektakuläre Antwort zu geben. Ja, 241 Total Yards fürs Game sind ein Armutszeugnis – und damit gewinnst du in der NFL auf mit +3 bei den Turnovern durchaus nicht immer. Das eine oder andere Big Play out of nowhere hielt die Steelers in diesem Duell aber bis zum Ende im Spiel.

Der 76-Yard-Touchdown von Rudolph auf JuJu Smith-Schuster zum 13:10 für Pittsburgh war schlicht ein wunderbares Play, als es Smith-Schuster gelang, die ganze Secondary zu überlaufen und zu scoren. Solche Momente genieße ich sehr in Zeiten wie diesen, weil sie rar geworden sind – und wohl rar bleiben werden in mittlerer Zukunft.

Big Plays halten Steelers-Hoffnung am Köcheln

Was sich wie ein roter Faden durchs Game zog, war der Umstand, dass die Steelers mit der Up-Tempo-Offense San Franciscos eigentlich nicht zurande kamen. Am Ende standen fast doppelt so viele Offensive Yards bei Garoppolo und Co. als wie bei den Steelers.

Jedoch gelang es Mason Rudolph, die erneute Ninerns-Führung wieder zu kontern: Diesmal durch einen schönen Touchdown-Pass auf den freien WR Diontae Johnson, der Corner Jason Verrett alt aussehen ließ.

Bei 20:17 für Pittsburgh folgte das übliche Bild: Die Niners arbeiteten sich mit einfach erspielten Chunks leicht und flockig an die Steelers-Redzone heran, ein schneller Score schien unabwendbar. Just da reagierte TJ Watt jedoch bei einem missglückten Handoff zwischen Niners-Running-Back und Quarterback schnell und recoverte den freien Ball.

Später Fumble zerstört Aussicht auf Sieg

Die Steelers kamen wie die Jungfrau zum Kind in die Situation, mit noch gut sechs Minuten Rest-Spielzeit in Führung liegend die Uhr bespielen zu können, um das Spiel doch nachhause zu bringen und einen nicht für möglich gehaltenen Win zu “stehlen”.

Freilich, es blieb beim frommen Wunsch, denn was sollte besser in die momentane Steelers-Situation passen als ein Fumble von James Conner zur unmöglichsten Zeit? Niners-End Arik Armstead schlug das Spielgerät frei und ermöglichte seiner Offense einen Drive, der zum 24:20-Endstand führen sollte.

Während dieses Drives waren die Steelers einmal drauf und dran, die 49ers bei 3rd and long bei einem Field Goal zu halten. Ein plumpes Holding von LB Mark Barron, der bisher als Steeler noch kaum zu überzeugen vermochte, verhinderte aber die Konstellation, dass es nur zum 20:20-Ausgleich hätte kommen können.

Im letzten verzweifelten Versuch kamen die Steelers mit etwa einer Minute Restzeit auf der Uhr nicht einmal in die Nähe des nun nötigen Touchdowns. Das Spiel war verloren.


Steeler of the Week

Minkah Fitzpatrick

Fitzpatrick vermochte, sich in seinem ersten Steelers-Game mit zwei Takeaways, einem Fumble und einer Interception, einzustellen. Eine bemerkenswerte Ausbeute, bedenkt man, dass er weniger als eine Woche mit seinen Neo-Mannschaftskollegen trainieren und das neue Playbook lernen konnte.

Die Defense der Steelers spielte weit weg von perfekt, aber ersichtlich war, dass Fitzpatrick ein glasklares Upgrade gegenüber S Sean Davis darstellt und im Vergleich zu Secondary-Partner Terrell Edmunds auf dem Level agiert, gefährlicher Gamechanger sein zu können.

Mini-Steeler der Week ist vielleicht auch Kicker Chris Boswell, der bis dato in dieser Season sicher und verlässlich kickt und noch keinen Versuch vergeben hat.


Wo die Steelers diese Woche ansetzen müssen:

Ich denke, dass das Wichtigste für die Steelers bei den aktuellen Rahmenbedingungen sein wird, sich einzugestehen, wer man ist und was im Moment realistisch möglich ist.

Man ist aktuell kein Playoff-Aspirant, man steht ganz unten in der Division. Und auch ein Heimspiel gegen die 0-3-Bengals wird kein Selbstläufer ins Positive werden.

Weitere Ansätze, die mir durch den Kopf gehen:

  • Ein Umstand, der keine Ausreden zulässt, aber auch Hoffnung geben kann, ist, dass andere Teams mit Backup-Quarterback in Week 3 bewiesen haben, dass bei einer kompletten Teamleistung Siege möglich sind: die Panthers mit QB Kyle Allen in Arizona, die Jaguars mit QB Gardner Minshew gegen die Titans oder die Saints mit QB Teddy Bridgewater in Seattle. Daran sollten sich auch die Steelers zumindest ein bisschen orientieren können.

  • TE Vance McDonalds Belastbarkeit und Einsatzfähigkeit sind ein Problem. McDonald kann Großes für dieses Team vollbringen, ist aber zu oft angeschlagen oder verletzt. Ersatzmann Xavier Grimble wirkt nicht wie ein Player von NFL-Kontur. Die Steelers sollten auf Tight End tätig werden, sobald sich irgendwo eine sinnvolle Möglichkeit auftut.

  • Pittsburgh muss bei WR Donte Moncrief eine Entscheidung treffen, nachdem dieser in San Francisco inactive war. Entweder man führt ihn bald irgendwie wieder heran, gibt ihm Chancen und versucht, sein Selbstvertrauen wieder zu stärken. Oder man verabschiedet ihn ehebaldigst, wenn man nicht mehr auf ihn setzt.

  • Die Steelers müssen für einen Gameplan oder einen Spielrhythmus on Offense sorgen, der öfter 2nd and short oder 3rd and short ermöglicht. Schon klar, ist leicht gesagt. Aber mit einem Run Game, das nicht funktioniert und risky Pass Plays, die vielleicht incomplete fallen, quasi immer 3rd and long zu stehen, ist der falsche Weg. Lieber mal Play Action probieren und/oder was Überraschendes ausarbeiten?

  • Und last but not least: Demjenigen (auch im Steelers-Coaching-Staff), der diesen extrem nervigen Trend dieser Defense-Gruppen-Selfies (wenn diese ein gutes Play gemacht hat) beendet, sei ein Orden verliehen! Ich mein, sind wir denn im Kindergarten?

photo credit: meckert75 <a href=”http://www.flickr.com/photos/85268935@N00/20214636933″>49ers Fans</a> via <a href=”http://photopin.com”>photopin</a> <a href=”https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/”>(license)</a>

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ich glaube auch, dass man on offense Rudolph andere Werkzeuge, das heißt Plays geben muss. Es wirkte so, als ob man versuche, Mason Rudolph das Roethlisberger-Spiel aufzudrängen. Das funktionierte natürlich nicht, da er ein ganz anderer QB-Typ ist, als Roethlisberger.

    Trotzdem glaube ich, dass Rudolph diese Offense tragen kann. Die Playmaker der letzten Jahre müssten halt zeigen, warum sie so gehyped wurden.

    Einzig Positives ist, dass alle anderen Teams der AFC North diese Woche auch abgeschenkt haben.

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